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Erklärung des Rats christlicher Kirchen in Luxemburg zur Folter

Angesichts dessen, dass die Anwendung der Folter derzeit immer mehr banalisiert zu werden droht, rufen wir, die Kirchen und Gemeinschaften im Rat christlicher Kirchen, mit Nachdruck und in aller Deutlichkeit das Verbot der Folter ins Gedächtnis. Dieses Verbot scheint gegenwärtig gefährdet aufgrund der Tatsache, dass Folter im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terrorismus, Entführungen oder Geiselnahmen mehr und mehr gerechtfertigt wird.

Wenn der Kampf gegen den Terrorismus zum Vorwand genommen wird, um Repressionen gegen oppositionelle Gruppen oder Minderheiten zu legitimieren, dann wird damit eine bedeutende Bresche geschlagen in das derzeitig geltende Völkerrecht, das grundsätzlich die Praxis der Folter verbietet. Es bedeutet ebenfalls, dass das grundlegende Prinzip der Achtung der Menschenwürde geleugnet wird, wie auch die Nächstenliebe, der Dialog, die geschwisterliche Verbundenheit und das Bemühen um Frieden. Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Auch wenn der Kampf gegen den Terrorismus sicher legitim und notwendig ist, so wird die Anwendung von Terrormethoden hierbei nur den Terrorismus und die Gewalt, die daraus folgen, verstärken.

Als Christen sind wir aufgerufen, die Botschaft Christi von der Gewaltlosigkeit zu verkünden und einen Beitrag zu leisten zum Auftrag Gottes zu Frieden und Gerechtigkeit sowie der Achtung der Würde aller Menschen. Wir wollen hiermit Zeugnis ablegen für konkrete Ökumene und die Einigkeit der Christen in der Ablehnung zerstörerischer Praktiken und möchten dies allen Regierenden ins Gedächtnis rufen.

Wir begrüßen das Engagement all jener, die sich für die Abschaffung von Folter und Todesstrafe einsetzen. Wir rufen alle Mitglieder unserer Kirchen und Gemeinschaften auf, sich für die Opfer der Folter zu engagieren, der Gerechtigkeit zu dienen und Friedensstifter zu sein.

Schließlich wollen wir daran erinnern, dass wirtschaftliche Ungleichheit und Diskriminierungen oft der Nährboden sind, auf dem die Verletzungen der Menschenrechte wuchern. Diesbezüglich verweisen wir nochmals mit Nachdruck auf die Folter, warnen aber auch vor den Beschränkungen der öffentlichen Freiheit, die der Kampf gegen den Terrorismus nach sich zieht.

Luxemburg, den 10. Dezember 2006.

 
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