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Die Hände gebunden

Eine Meditation im Rahmen des Karfreitagsgottesdienstes der Protestantischen Kirche

Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture erinnert zu Karfreitag an Folteropfer

Der Bildhauer Tilman Riemenschneider (1460 – 1531) hat diese gebundenen Hände eines gemarterten Menschen geschaffen. Die Fesseln schneiden schmerzhaft ein, erlauben keine Bewegung. Der Mensch ist seinen Peinigern ohnmächtig ausgeliefert, er ist völlig handlungsunfähig.

Die Skulptur ist um das Jahr 1515 datiert, 10 Jahre später, in den Wirren des Bauernkrieges, erleidet Riemenschneider, der auf der Seite der Bürger gegen den fürstbischöflichen Landesherrn Position bezieht, Gefangennahme und „peinliche Befragung“, Folter also. Dass man ihm, dem begnadeten Bildhauer in der Haft die Hände brach und mit ihnen den Schaffens- und Lebensmut, ist historisch nicht bewiesen, lässt uns aber noch mal anders auf die dargestellten gefesselten Hände schauen.

Seit mehr als 2000 Jahrenerinnern wir uns an Karfreitag fassungslos an Jesus, den Gefesselten, den Gefolterten, den Gekreuzigten, dem einer der grausamsten Formen der Todesstrafe wehrlos Ausgelieferten. Ihm, dessen Hände heilten und segneten, der die Menschen von den Fesseln der Zwänge und Ungerechtigkeiten befreite, ihm sind am Ende des Weges selbst die Hände gebunden.

Wenn wir die Passion Jesu meditieren, wissen wir den Menschensohn in aller Ohnmacht und allem Leiden der Menschen an unserer Seite. Und wir werden nicht den Blick von all den gepeinigten und gefesselten Menschen unserer Zeit abwenden. ACAT möchte dieses Jahr zu Karfreitag besonders auf die Situation von Menschen in der Republik Kongo aufmerksam machen: wie in vielen afrikanischen Ländern sind auch hier die Gefängnisse überbelegt, die Lebensbedingungen erniedrigend, viel Gefangene sind Misshandlungen, Folter und Willkür ausgeliefert.

„Mir sind die Hände gebunden, ich kann nichts tun.“, so ist oft zu hören, wenn es um das von Menschen verschuldete Leiden in der Welt geht. Karfreitag führt uns die unbequeme Grundüberzeugung unseres Glaubens vor Augen: mit Jesus ist, wer mit dem geschundenen Menschen ist. „ Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen....Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Mt 25, 36/40)
Wer sich befreit, wer sich befreien lässt von den Fesseln der Gleichgültigkeit und Handlungsunfähigkeit, der macht die Sätze des Propheten Jesaja wahr: „ Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: Die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen.“ Jes 58.6

Der Gottesdienst zum Karfreitag findet in der Protestantischen Trinitatiskirche, 5, rue de la Congrégation in Luxemburg statt.

Die Petition zum Congo und eine Übersetzung der Meditation findet sich hier.

 
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