Paroisses
 

MONDORF, Mondorf, Munneref

Geschichtliches

Foto © Marc Urhausen

• Région pastorale : Est
• Doyenné : Remich
• Paroisse “Dräilännereck Musel a Ganer Saint Nicolas”
• Commune : Mondorf-les-Bains
• Titre : Saint-Michel, 29 septembre
• Jour d’adoration : Dernier dimanche d’octobre
• Fabrique d’église : CCPL : LU74 1111 0189 1597 0000
• Presbytère: 1, allée Jean Linster, L-5633 Mondorf-les-Bains, Tél. : 23 66 80 20
 
 

Geschichtliches

Aus Pfarrei Mondorf “Wer waren Pfarrer Ungeschick, seine Mitarbeiter und seine direkten Nachfolger?”, von Fr. Karels
Denn wohlgemerkt, die Installation des “vicarius perpetuus” der Echternachter Abtei, wie er selber bis zur französischen Revolution unterzeichnete, fand am 5. Juni 1764 in Mondorf statt, und am Sonntag nach Michaelstag, d.i. der 29 September des Jahres 1766, erfolgte bereits die Einsegnung dieses imposanten Baues. Man bedenke:die bisherige Kirche am selben Orte musste vorher abgetragen werden, und die verbleibenen Fundamente vermochte man bei Erdarbeiten in neuerer Zeit nicht zu durchbrechen.

Dann war die neue Baustelle nach Westen eingeengt durch das Pfarrhaus mit der Jahreszahl 1684, wo diverse Okonomiegebäude hinzugekommen waren. Südlich gab es bereits den heute nicht mehr benutzten Kirchhof, der sich warscheinlich ostwärts bis zur Strasse ausdehnte. Denn man fand menschliche Skelette vor, als die heutige Sakristei unterkellert und weitergeführt wurde.

Nimmt man die vielen Nussbäume hinzu, die laut Ortstradition von Norden her die Baustelle umsäumten und erst nachträgich beseitigt wurden, so glaubt man auch der weiteren Mondorfer Uberlieferung, dass ein eigener Fuhrweg von Altwies her es ermöglichte, die Haussteine und sonstiges Material heranzuschaffen und bis zur jeweiligen Höhe des Mauerwerkes zu schleppen.

Diese für heutige Verhältnisse scheinbar primitive Arbeitsweise verwandte der Dachdeckermeister noch mit viel Ersparnis von Zeit und Geld, als Ende der sechziger Jahre die Turmspitze neuen Schiefer erhielt. Wieviel Dutzend Handwerker von nah und fern mögen damals dem Bautenaufseher der Abtei zur Seite gestanden haben, um Abt Horman und seinen Mondorfer Schützling, Pfarrer Ungeschick, zufriedenzustellen? Jedenfalls wurde viel Geld gebraucht, denn der Abt soll bei der Einsegnung erklärt haben, wie in einer aufbewahrten Bittschrift an die Oberbehörde zu lesen steht: “Ich glaubte goldenes Mauerwerk vorzufinden aufgrund der Ausgaben; es sind aber nur Steine gebraucht worden. Zum Glück baut man anderswo billiger, sonst würden uns die mannigfachen Kirchenneubauten der letzten Zeit ruinieren!...”

Foto © Marc Urhausen

Woher stammt diese ausgabefreudige Pfarrherr? Nikolaus Ungeschick war der Sohn von Wilhelm U., Notar und Schöffe in Grevenmacher, sowie Hochgerichtsherr im jensietigen Wellen durch seine Gattin, Margareta Horman. Die Familie Ungeschick ist in Grevenmacher ansässig, zumindest seit 1724, und scheint mit den Markgrafen von Baden-Baden-Rodemacher zu Beginn des 17. Jahrhunderts ins Land gekommen zu sein. Mütterlicherseits stammen die Ahnen des Mondorfer Pfarrers aus Ettelbrück, wo der Name Horman bis ins 15. Jahrhundert nachweisbar ist. Auch der nachmalige Abt von Echternach, Michael Horman (1751-1775), war 1691dort geboren. Durch sein Wohlwollen war Nikolaus Ungeschick, am 27. Dezember 1728 zu Wellen getauft, bald nach seiner Priesterweihe für die zu Echternach gehörende Pfarrei Itzig präsentiert worden, wo er von 1754 bis 1764 amtierte. Dort stellte er den Schmuck der eben von Echternach erbauten Kirche fertig und schien zu seinem zum Abt promovierten Oheim der richtige Mann, teilweise mit denselben Künstlern, J.G. Weiser beispielsweise, in Mondorf von neuem anzufangen. Ungeschick stand damals im 36. Lebensjahr, und da sein Hinscheiden am 18. August 1800 erfolgte - war er 72 Jahre alt geworden.

Sein Äusseres wird aufgrund eines Porträts, das anscheinend vom bekannten Echternacher Laienbruder Millim gemalt wurde, folgendermassen gedeutet: “Die hohe Stirn, die leuchtenden Augen zeugen von grosser Vitalität. Etwas müde scheinen der breite Mund und die herabfallenden Schultern. Der erhobene rechte Zeigefinger and der zierlichen Hand spricht die Mahnung aus: Lasst uns Herz und Hand erheben zum Herrn im Himmel! Jeremias”. (Zitat aus: Cinquantenaire de la Fanfare, Mondorf 1970).

Pfarrer Ungeschick war damals 59 Jahre alt. Uber seinen Charakter schreibt ein unbekannter Chronist: “Er war vermögend, ein begabter, unternehmungsfreudiger und kunstliebender Priester. Vielleicht besass er einen etwas herrischen Character” (zitiert ebendort).

Neben Pfarrer Ungeschick interessiert es kunstbeflissene Kirchenbesucher immer wieder, wer als Architekt und Unternehmer in Mondorf fungierte, welche sonstigen Künstler und Handwerker and der Innenausstattung beteiligt waren. Vor allem möchte man wissen, wo seit 1764 bis in unsere Zeit das viele Geld hergenommen wurde, um ein solches Prunkwerk zu errichten, auszuschmücken und den jeweiligen Zeiterfordernissen anzupassen.

Nehmen wir zunächst den Baukünstler. Laut Aussage von Professor Schmitt, Diözesankonservator, kann Paul Mungenast als Architekt wohl vergleichsweise, nicht aber urkundenmässig angegeben werden; ebenso fehlen alls schriftlichen Belege für ausgeführte Pläne und aufgestellte Rechnungen.

Bekannt ist lediglich der Bauunternehmer Nicolas REWER. Seinen Namen hatte er in den alten Aussenverputz der Nordwand eingeritzt.

Foto © Marc Urhausen

Für das Fresko im Chor-Halbrund zeichnet der aus Kressnau/ Böhmen genürtige Landschaftsmaler J.G. Weiser verantwortlich, der Namen und Jahreszahl (1766) über der Sakristeitür eingetragen hat.

Vom Predigtstuhl, dem bedeutendsten Kunstwerk in der Kirche, ebenso wie von Hauptaltar, der Kommunionbank und den Beichtstühlen wissen wir nur, dass sie in der Echternacher Kunstwerkstatt von Berg/ Moselle geschnitzt wurden, wo man laut Emile Diderrich zeitweilig 20.000 geschulte Arbeitskräfte beschäftigte.

Waren diese Kunstwerke grösstenteils bei der Einsegnung durch Abt Horman am St Michaelstage 1766 aufgestellt, so fehlte doch eine geeignete Empore für Orgel und Sänger. ähnlich wie heute im benachbarten Puttelange, wo dieselbe Abtei 1754-55 eine Remigiuskirche errichtete.

Foto © Marc Urhausen

Anfangs begnügten sich die Sänger nach Benediktinerart mit Bänken im Chor; dann musste um 1783 für die vom Tüntinger Pfarrer geschenkte kleine Orgel aus dem ehemaligen Kloster Marienthal ein Standort geschaffen werden.

Es geschah mit Hilfe dreier Holzbalken, die im Mauerwerk verankert wurden und wo neben dem Organisten und Balgtreter maximal sechs Sänger nebeneinander Platz fanden. Die nutzbare Tragfläche betruf 4.40x2.50 = 11 m2, wovon die Hälfte auf Orgel und organist bezw. auf Sänger und Balgtreter fielen. Allerdings war dieses “Schwalbennest”, wie man es nannte, so zierlich verpackt mit geschnitzten Musikinstrumenten an die Brüstung und reichen Stuck-Elementen am geschweiften Boden, dass manchen Dorfbewohner der Aufstellung der heutigen Empore in den zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts kritisch entgegen sahen.

Aber zu Unrecht, wie sich später zeigen sollte. Noch unbequemer war früher die Zugangstreppe aus Tannenholz 90 cm breit längs des Turmes, die oben wohl ein Schutzdach besass, aber inwendig musste man wiederum mehrere Stufen ersteigen, um auf das 1. Stockwerk, bez. auf die noch höher liegende Empore zu gelangen. Wie oft mögen die Küster für Glocken und Turmuhr, den Organist und die Sänger im Laufe von nahezu 150 Jahren diese Stiege erklommen haben, bei der Witterung, zur Tages- und Nachtzeit? Für ältere Leute war es eine Bergsteigung mit gefährlichem Abstieg; die Jungen werden im Ubermut gelegentlich auf dem Schuhranzen heruntergeschliddert sein.


Weitere Links:
- Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. Darstellung und Beschreibung der Kirchenfenster.
- Orgues.lu Beschreibung der Orgel.

 
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