Léiffrächen

Die “Léiffrächen” in Kayl

Religiöses Herzstück und nationaler Ort der Erinnerung

Die „Léiffrächen“ von Kayl - ein Ort des Gebets, ein Ort der Begegnung Gottes mit den Menschen, ein Ort des Hörens, des Staunens und des Glaubens, ein Ort der Erinnerung. In den letzten 250 Jahren hat sich die Stätte der „Léiffrachen“ in Kayl zu einem Anziehungspunkt für Pilger von nah und fern entwickelt.

Jeder Pilger- und Gedenkort in Luxemburg hat seine eigene Tradition und Geschichte - seine eigene Geschichte und seine eigenen Geschichten. Für die „Léiffrächen“ von Kayl sind sowohl Geschichte als auch Geschichten untrennbar mit dem luxemburgischen Bergbau und den hier ansässigen Bergmannsfamilien verbunden.

„O Léiffrächen héich um Bierg“

Obwohl der Ursprung der „Léiffrächen“ nicht im Bereich des Legendenhaften angesiedelt ist, wie bei manch anderen Pilgerstätten im Land, so bleiben für die Anfänge dennoch einige Fragezeichen.

Es war im Jahr 1753 – also vor über 250 Jahren -, als der Schmiedearbeiter Peping bei Rodungsarbeiten in einem hohlen Baumstamm, an eben der heute noch verehrten Stelle, eine ca. 30 Zentimeter hohe Holzstatue der Muttergottes fand. Wie diese Statue dorthin gelangt war, weiß niemand. Jedenfalls meißelte der gläubige Finder eine Nische in den roten Minettefelsen und stellte die Statue dort auf. Sein Sohn schützte sie anschließend mit einem Eisengitter. Noch heute sind die Nachfahren des damaligen Entdeckers Peping in Kayl ansässig und führen einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Wenn auch nicht ausfindig zu machen ist, woher die Statue stammt, so ist doch gewiss, dass das „Bildchen“ von Kayl vom Tag seiner Aufstellung an eine ununterbrochene Verehrung fand.

Seit jeher war Kayl der Hauptort des Kayltals. Chanoine Jos Dupong erklärt die Prädominanz des Ortes aus seiner Lage, die sich über das Ackerland nach Norden bis ins Alzettetal ausweitet. 1816 lebten in Tetingen 266, in Rümelingen 392 und in Kayl 455 Einwohner: alteingesessene Bauernfamilien und einige Handwerker. Die Armut grassierte. Viele zogen als Wanderarbeiter und Gelegenheitsarbeiter nach dem benachbarten Frankreich.

Die Zeiten gestalteten die Minettegegend um. Um 1856 wurde erstmals Erz auf Kayler Boden abgebaut. Von da ab wird für rund ein Jahrhundert - bis etwa in die 60ger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein – intensiv Eisenerz teils über Tage, teils im Stollenbau gefördert. Mit dem Aufblühen des Bergbaus und der Eisenindustrie sind die Bergleute die ersten Nachbarn und Verehrer des Gnadenbildes geworden. Zusammen mit den „Erstverehrern“, den Bauern, Arbeitern und Tagelöhnern, vermehren sie die Zahl der Besucher beim „Bildchen“ von Kayl erheblich.

Die Ausgestaltung der Stätte

Im Jahre 1876, mehr als ein Jahrhundert nach der Auffindung also, war die Felsnische, welche die Statue beherbergte, verwittert. An gleicher Stelle erbaute man der Muttergottes ein Kapellchen, das bereits in der Nacht zum 19. Mai 1901 zum größten Teil ein Raub der Flammen wurde. Auch die kleine Statue wurde dabei vollständig vernichtet. Um das zerstörte Kleinod zu ersetzen, erwarb Pfarrer Jean Kaiffer (1888-1902) eine Statue der schmerzhaften Muttergottes aus witterungsunbeständiger Terrakotta in Trier. Bereits 1915 musste Pfarrer Jean-Pierre Kayser (1913-1920) eine neue Statue - diesmal aus Stein - bei der Firma Stehres in Luxemburg in Auftrag geben. Dechant Pierre Nommesch, ehemals Pfarrer in Kayl (1902-1913) und späterer Landesbischof, nahm im Mai 1915 die Einsegnung vor. Etwa 4000 Pilger verfolgten dieses Ereignis auf dem engen und unwegsamen Gelände.

Die Pläne einer grundlegenden Umgestaltung der „Léiffrächen“ und ihrer näheren Umgebung realisierten sich unter Pfarrer und Lokalchronist Jos Dupong (1932-1957). Im Herbst 1936 wurde eine neue, größere Grotte aus Minettesteinblöcken gebaut, die äußerlich einem Grubeneingang nachempfunden ist und sich daher bestens in die Landschaft einfügt. Auch der Zugang zur Grotte wurde durch größere Umarbeiten erleichtert. Zur gleichen Zeit entstanden eine Kanzel und eine zur Anhöhe führende Treppe aus Stein. Am Fest Christi Himmelfahrt 1937 sollte schließlich die vierte und letzte Statue der Muttergottes in der nunmehr neuen Umgebung aufgestellt und durch Msgr. Origer, der 1942 in Dachau starb, eingesegnet werden. Dieses Gnadenbild aus Eichenholz stammt aus der Werkstatt Nickels-Bomb. Wieder begleitete eine große Pilgerschar die Einsegnungsfeierlichkeit.

Bergbau und Bergarbeiterdenkmal

Im Schatten der Gruben

Die Geschichte der „Léiffrächen“ ist untrennbar mit den im luxemburgischen Bergbau tätigen Bergleuten verbunden.

Die Hervorhebung der Geschichte des Bergbaus in Kayl und im ganzen Süden ist auch deshalb von Bedeutung, weil die Erschließung und der Abbau der Erzvorkommen am Beginn der Entwicklung Luxemburgs vom Agrar- zum Industriestaat stehen. Der Erzabbau in Luxemburg hatte circa 130 Jahre gedauert. Auf der Kayler Gemarkung wurde erstmals im Jahr 1855 das Erzausbeutungsrecht für eine Parzelle durch die Kayler Gemeindeverwaltung erteilt. Bei dieser besagten Parzelle, gelegen im Flurbereich „um Sperrewee“, handelt es sich nicht nur um das erste Minetteareal, für die die Ausbeutungsrechte erteilt wurden, sondern sie befindet sich auch genau an der Stelle, an der sich heute das Bergarbeiterdenkmal erhebt.

Die Gewinnung des Erzes erfolgte sowohl über als auch unter Tage mittels Sprengungen. Es war eine sehr schwere und risikoreiche Tätigkeit, insbesondere in den ersten Jahrzehnten. Heutige Sicherheitsstandards, etwa bei Sprengungen zur Tieferlegung der Bohrlöcher in den unterirdischen Erzlagern, waren den Grubenbetreibern und den Arbeitern selbst eher fremd. Der Produktionsvorgang rangierte vor der Grubensicherheit. Entlohnung erfolgte nach dem Umfang der Leistung des einzelnen Bergmanns (Akkordsystem). Die Zahl der im luxemburgischen Bergbau tödlich verunglückten Bergleute wird mit rund 1500 angegeben. Hinzu kommt noch eine weit größere Anzahl an Opfern, die indirekt auf den Bergbau zurückzuführen sind.

Die meisten Grubenbetriebe wurden ab 1956 aus Rentabilitätsgründen stillgelegt. Der allgemeine Verfall der einheimischen Minetteförderung war nicht mehr aufzuhalten. Den letzten privaten Grubenbetreiber im südlichen Kayltal ereilte im Jahr 1961 die Zwangsschließung. Die letzte Grube, der „Thillenberg“ bei Differdingen, schloss Ende 1981. Damit gehörte der Bergbau in Luxemburg der Vergangenheit an.

Auf dem Gelände der „Léiffrächen“ in Kayl hat sich die Natur die ausgebeuteten Betriebsflächen längst wieder zurückerobert. Die Spuren des einstigen Erzabbaus sind dennoch weiter erkennbar im rot-gelben Felsgeröll sowie in den abschüssigen und zerklüfteten Felswänden und Steilhängen, die dem Gelände einen unverwechselbareren und für unser Land einzigartigen Charakter verleihen.

Das Bergarbeiterdenkmal

Es war der damalige Kayler Pfarrer und Lokalchronist Jos Dupong, der bereits im Jahr 1938 den Plan für den Bau eines Bergarbeiterdenkmals auf den Weg brachte. An der geweihten Stätte der „Léiffrächen“ sollte es das Andenken der Opfer aus den luxemburgischen Erzrevieren in Ehren halten und insgesamt die Dankbarkeit an die Adresse der Pioniere unseres Wohlstandes zum Ausdruck bringen. Der hereinbrechende Krieg sowie mannigfaltige Schwierigkeiten unterschiedlichster Art verzögerten das Vorhaben. Schließlich konnte im Jahr 1953 Bischof-Koadjutor Léon Lommel den Grundstein zum Denkmal einsegnen. 1957 wurde das Werk mit der Weihe der Bergmannsglocke beendet. Die Grundsteinlegung aus dem Jahr 1953 war mit der 200-Jahr-Feier der Wallfahrtsstätte der „Léiffrächen“ und der Krönung Mariens unter dem Titel „Notre-Dame des Mineurs“ zusammengefallen. Damit war die Verbindung von Marienheiligtum und Bergarbeiterdenkmal eminenterweise hergestellt.

Für das Bergarbeiterdenkmal war gegenüber dem Marienheiligtum eine mächtige stählerne Turmkonstruktion von 42 Metern Höhe errichtet worden mit einer monumentalen Freitreppe, die Zugang zu einem breit angelegten Ehrenhof bietet. Um diesen Ehrenhof herum sind im Halbrund 24 steinerne Gedenktafeln angebracht mit den Namen von 1452 tödlich verunglückten Bergleuten. Erwähnenswert schließlich noch, dass laut einer ministeriellen Erlaubnis vom 14. März 1978 die gesamte Anlage des Bergarbeiterdenkmals in seiner Namensbezeichnung das ehrende Beiwort „national“ tragen darf. Die Kayler Firma Massard goss daraufhin eine Bronzetafel mit der Inschrift „Monument National des Mineurs“ und brachte diese Tafel an der Erinnerungsstätte an. Ab 1980 haben an dieser Stelle nicht nur die alljährlichen nationalen Erinnerungsfeiern der Bergleute stattgefunden, sondern auch die „Journée Internationale des Mineurs“. Anlässlich des internationalen Bergarbeitertages von 2003 wurde eine Namensplakette mit weiteren 21 Namen von Verunglückten am Bergarbeiterdenkmal enthüllt.

Der zweite Weltkrieg

In der leidvollen Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde die „Léiffrächen“ zum Zeichen des Trostes und der Hoffnung für die Bevölkerung der Minettegegend. Die Pilgerzahlen stiegen sprunghaft an. Die Chronik weiß zu berichten, dass an einigen Stunden eines gewöhnlichen Sonntagnachmittags über 1200 Beter gezählt wurden. Kein Wunder also, dass die Besatzungsmacht argwöhnte und konspiratives Vorgehen witterte. Sie versuchte jedoch vergeblich, den Pilgerstrom einzudämmen. Das Gerücht einer anstehenden Sprengung der Grotte machte die Runde. Schließlich wurde dem Klerus jede Wallfahrt, jeder Bittgang, ja sogar jeder Spaziergang zum Heiligtum unter Androhung der KZ-Strafe verboten. An Allerheiligen 1941 kam der „Pfarrer der Léiffrächen“, Jos Dupong, in Schutzhaft, danach ins KZ nach Dachau, wo er bis zum Kriegsende dauerhaft inhaftiert blieb. Jacques Michels (gest. 2002) war in den schwierigen Jahren von 1938-1947 Kaplan und anschließend Pfarrverwalter in Kayl.

Die Zeit während der Okkupation und unmittelbar nach dem Krieg ist stark geprägt durch eine Vermischung von Religiosität – bzw. Marienfrömmigkeit – und Patriotismus im Sinne von Nationalgefühl. Die genannte Vermischung ist für diese Zeit nicht nur in Kayl nachweisbar. Während des Krieges war das Verbot eine mächtige Antriebsfeder für die Andacht zur „Léiffrächen“ und die Wallfahrten der unmittelbaren Nachkriegszeit gestalteten sich insgesamt zu eindrucksvollen und erhabenen Glaubensmanifestationen. Nach der Befreiung wurden die Wallfahrten vom August und September 1945 auf Vorschlag des Landesoberhirten zu nationalen Dank- und Bittwallfahrten für die Heimkehrer und Vermissten ausgestaltet. Besonders jenes denkwürdige Datum der großen Dankeswallfahrt des 19. August 1945 ist heute noch bei vielen älteren Kaylern in lebendiger Erinnerung. Der nationale Gedanke ist heute weitgehend verklungen.

Wallfahrten und Jubiläen

Die Wallfahrten zur „Léiffrächen“

In welchem Jahr erstmals organisierte Wallfahrten zur Grotte stattgefunden haben, ist nicht belegt. Sicher ist, dass es Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts bereits große Wallfahrten gegeben hat. Ab 1922 ist dann eine jährliche Prozession der Kayler zur Grotte belegt, seit 1933 schlossen sich auch die Nachbarpfarreien an. 1929 fand die erste Wallfahrt der polnischen Landsleute zur „Léiffrächen“ statt, seit 1936 jene der italienischen. Alljährliche Wallfahrten mit Prozessionen zur „Léiffrächen“ gab es schließlich fünf an der Zahl: Die Wallfahrt der christlich organisierten Arbeiterschaft zum 1. Maifeiertag (ab 1949); die Lichterprozession der jungen Mädchen und des Marienvereins im Mai; die Gedenkfeier für die Opfer der Bergarbeiter an Christi Himmelfahrt (ab 1947); die nächtliche Wallfahrt der Männer an Maria-Himmelfahrt (ab 1936); die Dekanatswallfahrt der Frauen im September (zum Fest der Sieben Schmerzen) (ab 1946). Es wurden auch mehrmals Kinderwallfahrten organisiert.

Herausragende Einzelwallfahrten waren etwa im Jahr 1937 die Wallfahrt der Italiener unter Beteiligung des Bischofs von Padua. Erwähnt wurde bereits die große Dankeswallfahrt vom 19. August 1945 für die Heimkehrenden aus KZ, Gefängnis, Deportation, Arbeitsdienst und Krieg. Eigens hervorzuheben ist dann noch die Jubiläumsfeier zur 200-jährigen Verehrung der „Léiffrächen“ im Jahr 1953.

Die Teilnahme von mehreren Tausend Gläubigen, insbesondere bei den Prozessionen der Frauen und der Männer, war keine Ausnahme.

Zweihundert-Jahr-Feier (1753-1953) – „Notre-Dame des Mineurs“ - und danach

Einen Höhepunkt der Muttergottesverehrung am Ort der „Léiffrächen“ hatte Kayl im Jahr 1953 erlebt. Besiegelt durch ein Apostolisches Breve vom 30.04.1953 wurde die „Léiffrächen“ zum 200. Jubiläum ihres Bestehens von Bischof Jos Philippe im Auftrag von Papst Pius XII. mit goldener Krone gekrönt unter dem offiziellen Namen „Notre-Dame des Mineurs“. Die Feierlichkeiten zu diesem einmaligen nationalen Ereignis erstreckten sich über acht Tage, vom 19. bis 26. Juli 1953. Etwa 12000-15000 Gläubige waren Zeugen der Jubiläumsprozession und der Krönungsfeier am 26. Juli 1953.

Die Dankbarkeit der Pilger hat die Innenwände der Grotte im Laufe der Zeit mit zahlreichen Erinnerungs- und Dankestafeln ausgeschmückt. Im Zuge weiterer Ausgestaltungsarbeiten wurde 1948 der große Vorplatz zum Heiligtum angelegt. Pfarrer Jean Pastoret (1957-1960) gab einen Altar aus Granit in Auftrag, der seit Mai 1959 eine bessere Gestaltung der Gottesdienste auf dem Parvis vor der Grotte erlaubt. Beklagenswerterweise wurde der freistehende Altartisch im August 1984 durch Vandalismus stark beschädigt, so dass Pfarrer Fred Zimmer (1974-2002, gest. am 1. Juli 2007) bei der Marbrerie Dellion eine neue, etwas veränderte Mensa in Auftrag geben musste.

In den letzten Jahren erlebte die „Léiffrächen“ eine Reihe von weiteren Veränderungen an ihrer Stätte: So erhielt Kayl nach dem Papstbesuch in Luxemburg Teile des Podiums vom Altar, an dem Papst Johannes-Paul II. am 15. Mai 1985 vor dem Portal II des Stahlwerkes Arbed-Belval die Messe gefeiert hatte. Als Denkmal hergerichtet, bereichern sie seither den Platz vor der Grotte. Im Jahr 1996 wurde auf Initiative des tödlich verunglückten Bürgermeisters Fred Coullen (gest. 1997) der Vorplatz zur Grotte völlig neu gestaltet und ein Altar aus rotem Minettestein errichtet. Zur Würdigung der großen Verdienste von Chanoine Jos Dupong und Bürgermeister Fred Coullen um den Ausbau und den Erhalt der „Léiffrächen“ und deren Umgebung wurde 1999 auf dem Vorplatz zur Grotte eine Gedenktafel enthüllt.

Große Wallfahrt zum „Gedächtnis der Schmerzen Mariens“ (15. September)

Der Léiffrächen-Verehrer Pfarrer Laux aus Schifflingen hatte der Kayler Muttergottes 1931 die Stationen der Sieben Schmerzen Mariens gestiftet. Hatten diese früher rund um die Grotte Platz gefunden, so weisen sie heute dem Pilger den steilen Weg zum Heiligtum hinauf. Das „Gedächtnis der Schmerzen Mariens“ am 15. September liefert auch heute noch das Datum für die traditionelle Wallfahrt zur „Léiffrächen“, die jeweils am Sonntag nach dem 15. September gefeiert wird, beziehungsweise am Sonntag des 15. selbst. War es bis ins Jahr 1995 allein die Pfarrei Kayl, die alljährlich für die Organisation der großen September-Wallfahrt verantwortlich zeichnete, so ging diese Aufgabe ab 1996 an die Pastoralregion Süden. Nach der Einteilung der Erzdiözese in fünf Pastoralregionen in den 90ger Jahren war es in der Tat sinnvoll geworden, die Ausrichtung dieser großen Zusammenkunft aller Marienverehrer der Süd-Pfarreien auch in die Hände der Regionalverantwortlichen des Südens zu legen. Seither ist die Wallfahrt sozusagen zu einem religiösen Treffpunkt der gesamten Südregion zum Auftakt des neuen Arbeitsjahres geworden.

250-Jahr-Feier der Verehrung der „Léiffrächen“ - Marianische Woche vom 16. bis zum 21. September 2003

Wie nachhaltig die Wurzeln der marianischen Frömmigkeit in der erzhaltigen Erde des Gutlandes auch heute gründen, zeigte sich im September 2003 an der regen Beteiligung bei allen Veranstaltungen der Festwoche anlässlich des 250. Jubiläums der „Léiffrächen“. Im Beisein von Erzbischof Msgr. Fernand Franck hatte am 16. September 2003 die marianische Woche ihren Auftakt genommen mit einer gottesdienstlichen Feier und einer anschließenden akademischen Sitzung. Vorträge rund um das marianische Thema, eine Bilderausstellung mit Preisvergabe an die Schulkinder des Pfarrverbandes Kayltal, eine Paramentenausstellung sowie eine umfangreiche Bücherausstellung über marianische Literatur aus Luxemburg, Deutschland und Frankreich schlossen sich im Lauf der Woche an.

Unter reger Teilnahme bildete die große Wallfahrt der Pastoralregion Süden am Sonntag, dem 21. September 2003, den Höhepunkt und Abschluss der marianischen Woche.

Schlussüberlegungen und Ausblick

Im Zuge des „Remodelage pastoral“, der territorialen Umstrukturierung der Erzdiözese in Pfarrverbände, bildet die Pfarrei Kayl mit dem Areal der „Léiffrächen“ seit Ende August 2002 gemeinsam mit den Pfarreien Tetingen und Rümelingen den Pfarrverband „Käldall“. Die Seelsorge wurde mit diesem Datum einem Pastoralteam anvertraut, das derzeit aus einem Priester und einem hauptamtlichen Laien besteht. Ein Pfarrverbandsrat, zusammengesetzt aus Mitgliedern der drei Ortschaften, trägt die pastorale Sorge und Planung für die Zukunft mit.

Bezug nehmend auf die 250-jährige Tradition der marianischen Devotion am Ort der „Léiffrächen“ hatte Erzbischof Msgr. Fernand Franck beim Eröffnungsgottesdienst anlässlich der marianischen Woche im September 2003 auf den großen spirituellen Reichtum verwiesen, den diese Stätte für die Minettegegend darstellt. Mit Blick auf die Zukunft mahnte er eindringlich, dieses Erbe nicht zu vergessen, wenn er sagte: „Gräift déi lieweg Oder vun Äere Virfahren hei um Terrain ëmmer erëm op a gitt se virun ewéi e Stroum, dee fléisst uechtert d’Zäit. Well wee vun der Vergaangenheet näischt weess, kann d’Zukunft net meeschteren. Jidderee brauch Wuerzele, brauch Geschicht.“

In ihrer unverwechselbaren Gestalt legt die „Léiffrächen“ und ihre Umgebung auch heute noch Zeugnis ab für die religiöse Praxis und die Lebensweise der Menschen in diesem Teil des Landes. Und nachdem dem Marienbild im Jahr 1953 der offizielle Titel „Notre-Dame des Mineurs“ verliehen wurde, hat es auch Abbild-Charakter für die spezifisch wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des ganzen Landes.

Autor, Literatur und Bemerkungen

Autor

Marianne Hubert
Theologin

Literatur

  • DUPONG, Jos: Kayl in der Geschichte. Luxemburg: Sankt-Paulus, 1963 (Neuaufl. v. 1997).
  • HELLINGHAUSEN, Georges (Hrsg): D’Oktav als Erausfuerderung: ënnerwee … mee wouhinn?: Mariendevotion zwischen Tradition und Moderne/ Clairefontaine: heimat und mission verlag, 2006 (In: Clairefontainer Studien, Bd. 6)
  • KAUFFMANN, Jules: Das Denkmal am „Sperrewee“/ Gemeindeverwaltung Kayl-Tetingen (Hrsg.). Luxemburg: Éditpress, 1990.
  • Lëtzebuerger Almanach 1986. Éditions Guy Binsfeld, S. 133-135.
  • LORANG, Fernand: Bergbauliche Geschichtsblätter aus dem Leben der roten Erde: Zahlen – Daten – Fakten/ Gemeinde Kayl (Hrsg.). Luxemburg: Sankt-Paulus, 1999, S. 9.
  • ZOTZ, Volker; MIGNECO, Friederike (Hrsg.): Totus Tuus: Marianisches Lesebuch zur Luxemburger Muttergottes-Oktave. Luxemburg: Kairos, 2004.
  • Zur 200-Jahr-Feier: „D’Le’wfrächen vu Kayl 1753-1953. Luxemburg: Kremer-Muller, 1953.
    Eisenturm des Nationalen Bergarbeiterdenkmals bei der Léiffrächen.jpg

Bemerkungen

1848 waren es für Kayl bereits 719 Einwohner. Vgl. dazu: DUPONG, Jos: Kayl in der Geschichte. Luxemburg: Sankt-Paulus 1963 (Neuaufl. v. 1997), S. 75-77.

Fernand Lorang präzisiert zu Recht, dass es sich bei der Erzgewinnung im 19. Jahrhundert nicht um eine Erstentdeckung handelte, sondern um eine Wiederentdeckung des Felsenerzes: „Dass das Auffinden der Felsenerzes im Süden unseres Landes keine Erstendeckung war, dürfte allgemein bekannt sein. Archäologische Beweise aus der Frühzeit sind hierzu genügend vorhanden. Spuren der in Vergessenheit geratenen Förderung von „Stack-Minett“ (…) reichen vom ausgehenden Mittelalter, in dem vor allem Bohnenerze abgebaut wurden, bis ins 19. Jahrhundert.“ In: LORANG, Fernand: Bergbauliche Geschichtsblätter aus dem Leben der roten Erde: Zahlen – Daten – Fakten/ Gemeinde Kayl (Hrsg.). Luxemburg: Sankt-Paulus, 1999, S. 9.

Siehe in: KAUFFMANN, Jules: Das Denkmal am „Sperrewee“/ Gemeindeverwaltung Kayl-Tetingen (Hrsg.). Luxemburg: Éditpress 1990, S. 159 sowie LORANG, Fernand, ebd., S. 38.

Jos Dupong, von 1932-1957 Pfarrer in Kayl, war der Bruder des einstigen Staatsministers Pierre Dupong. Jos Dupong verstarb am 24.2.1965 im Alter von 75 Jahren.

Zur Geschichte um die Errichtung des Bergarbeiterdenkmals siehe die detaillierte Schilderung des ehemaligen Kayler Bürgermeisters und Lokalchronisten Jules KAUFFMANN: Das Denkmal am „Sperrewee“/ Gemeindeverwaltung Kayl-Tetingen (Hrsg.). Luxemburg: Éditpress 1990.

Notre-Dame des mineurs

O Léiffrächen héich um Bierg,
Breet Däi Mantel iwer Käl (iwer äis)
Seen eis all mat Gutt a Blutt,
Leet eis all zum éiwgen Häl.(Paradäis)

Du gutt Mamm, reech eis Déng Hand
Bied fir eis bei Déngem Kand.

O Léiffrächen, hal gutt Wuecht
Datt kee Leed eis d’Léift zerschléit
Datt de Glaf wéi Stol sou hoart
Datt am Minett d’Gléck eis bléit.

Du gutt Mamm, reech eis Déng Hand
Bied fir eis bei Déngem Kand.

Dir, Léiffrächen weiht sech nees
Grouss a Kleng am rouden Dall,
D’Trei zur Kiirch an d’Trei zum Land
Schwieren Dir Déng Kanner all.

Du gutt Mamm, reech eis Déng Hand
Bied fir eis bei Déngem Kand.

Anfangsworte des „Léiffrächen-Liedes“. Verfasser des Ursprungtextes ist Th. Wies, von 1914-1919 Lehrer in Kayl. Pfarrer Emile Linden komponierte die Melodie dazu. Im Laufe der Zeit hat das Lied mehrere Umänderungen erfahren. Die jetzige Textfassung stammt von Pfarrer René Carmes (von 1960-1974 Pfarrer in Kayl).

Léiffrächen Brochure 1753 bis 1953
Festschrift 06. Mai 1937
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Gedenkbild Biergleit vum 09.05.1948
 
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