Der neue Dorfplatz in Niederkerschen

Forum mit humanem Charakter im Stil 2000

Die Architektengruppe André Haagen, Jean Ewert und Henri Jegen war von der Gemeindeverwaltung Niederkerschen neben dem Auftrag zum Bau einer neuen Kirche gleichzeitig die Auflage erteilt worden, den gegenüberliegenden Platz nach Abtragen des früheren Gotteshauses in ein Gesamtkonzept einzubeziehen und ihm eine neue Ausrichtung zu verleihen.

Die Ende des 18. Jahrhunderts errichtete barocke Pfarrkirche entsprach den Erfordernissen der in voller Expansion begriffenen Einwohnerschaft nicht mehr, der Bau war teilweise brüchig geworden, die Notwendigkeit eines Neubaus lag auf der Hand dergestalt, dass die neue Kirche eine zeitgemässe Regionalkirche würde, die gegeben - und notfalls die Dienste der kleineren Ortschaften der Umgebung übernehmen könnte für den Fall, dass in einer Zeit akuten Priestermangels kein Geistlicher mehr dort zur Verfügung stünde.

Beim Abriss der früheren Kirche sollte der Turm der Pfarrkirche als vier bis fünf Meter hohes Monument erhalten bleiben und in der Platzgestaltung mit einbezogen werden. Da der Turm nicht genügend Standfestigkeit aufwies, war es unmöglich, ihn als Ganzes zu erhalten. Lediglich die barocke Eingangstür kann im neuen Projekt Verwendung finden.

So arbeitete denn die vorgenannte Architektengruppe ab 1984 mehrere Projekte aus, von denen das Vorprojekt im Oktober 1985 genehmigt und der Bauplan im Dezember 1985 erstellt wurde.

Das definitive Projekt befindet sich derzeit in der Ausführung. Es handelt sich dabei um ein Gesamtprojekt, das sowohl den neuen Kirchenbau als auch das Altbewährte in einen neuartigen Dorfplatz einbezieht, wie es ihn z.B. in vielen Ortschaften des Landes rund um den Freiheitsbaum gab und gibt.

In der Ausführung des Projektes liegt eine tiefsinnige Symbolik, die vorrangig den Dorfplatz wieder zu dem machen soll, was er früher war: ein Ort der Begegnung und des Gesprächs, des Austauschs und der Versammlung. Deshalb nimmt das Kernstück die Form eines römischen Amphitheaters ein, ein Kreis mit etwa 20 m Durchmesser, in dem gegebenenfalls eine kulturelle Animation stattfinden kann, derweil die Zuschauer und die Zuhörer auf den „gradins“ Platz finden, die stufenförmig um das Rund angelegt sind. Zum anderes werden die Steine der früheren Kirche verwendet, um die neue Stützmauer zu errichten, Symbolik auch hinsichtlich der Einzeichnung, mit andersfarbigen Steinen, des Grundrisses der früheren Pfarrkirche nebst Kirchturm. Au ? erdem wird die Eingangstür der früheren Pfarrkirche als Zugangstür zum Dorfplatz verwendet.

Ein zentraler Aufbau nimmt das ?Monument aux Morts„ein, ein Werk des Niederkerschener Künstlers Nicolas Cito, das auf dem früheren Kirchplatz stand und nun als solches wieder auf dem neuen Dorfplatz aufgestellt wird. Unter der früheren Kirche wurde bei den Ausschachtungsarbeiten Gebeine freigelegt, die während mehr als 300 Jahren hier ruhten; vor einigen Tagen nun fanden sie eine endgültige Ruhestätte in einer Urne unter dem“Monument aux Morts", nachdem in einer schlichten Feier Pfarrer Emile Schaefers sie im Beisein der Gemeindevertreter und der Architekten ein letztes Mal gesegnet hatte.

Der in ein verkehrsberuhigendes Projekt eingebettete Platz, dessen Anlage die Verlegung der Kirchstrasse und verkehrstechnische Neuerungen bedingte, wird abschliessend mit zahlreichen Ruhebänken, Grünanlagen und Blumenbeeten verschönert.

Derzeit laufen bereits umfassende Vorbereitungen hinsichtlich eines neuen Planes, in den sowohl die Strassenführung als auch die Wohnblocks einbezogen werden.

Somit wird im Bereich eines Gesamtkonzeptes ein umfassendes Projekt verwirklicht, das den Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft ermöglicht.

Quelle: Luxemburger Wort: z.r./ 4. Oktober 1986

 
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