Fronleichnam und die Frau in der Kirche, von Kardinal Christoph Schönborn

Aus dem Website der Erzdiözese Wien

Gedanken zum Evangelium: Fronleichnam und die Frau in der Kirche
von Kardinal Christoph Schönborn, an Fronleichnam 4. Juni 2015. (Markus 14,12-16.22-26)

Einer Frau verdanken wir, dass heute ein freier Feiertag ist. Schade, dass sie so wenig bekannt ist. Ich weiß, die Wirtschaft freut sich nicht über die beiden Donnerstag-Feiertage, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam. Für viele eine gute Gelegenheit für einen Kurzurlaub. Umso mehr lohnt es sich, einmal nach dem Ursprung des heutigen Festes zu fragen.

Eine Frau steht am Anfang des Fronleichnamsfestes. Man sagt oft, in der (katholischen) Kirche hätten die Frauen zu wenig zu sagen. Und daran ist schon etwas Wahres. Für Fronleichnam trifft es nicht zu. Denn dieses Fest geht eindeutig auf die hl. Juliana von Lüttich zurück. Geboren 1191 bei Lüttich in Belgien, kam sie als Waisenkind schon früh in ein Kloster, wo sie beachtliche Bildung erhielt, aber auch in tiefer Frömmigkeit heranwuchs.
Mehrmals hatte sie eine Vision, die für das heutige Fest bestimmend wurde. Sie sah in dieser Vision den Mond, strahlend, aber mit einem Flecken. Sie deutete dies so, dass im Leben der Kirche etwas fehlte: ein Fest, an dem die Gläubigen die Eucharistie verehren und anbeten können.

Juliana begann, die Einführung eines eigenen Festes zu erbitten, ja darauf zu drängen. Wenn jemand mit Visionen kommt, begegnet ihm meist Misstrauen. So erging es auch Juliana. Doch einige waren von ihrer Glaubwürdigkeit beeindruckt. Darunter ein Geistlicher, der einige Jahre später zum Papst gewählt wurde. Er hatte sich von Julianas Visionen überzeugen lassen und führte 1264, sechs Jahre nach ihrem Tod, das von ihr erbetene Fest ein. Und er ließ gleich vom berühmtesten Theologen der damaligen Zeit, dem hl. Thomas von Aquin, die Texte für dieses Fest schreiben, die heute noch zu Fronleichnam gesungen werden.

So hat Juliana von Lüttich es in wenigen Jahren geschafft, dass ihre „Vision“ Wirklichkeit wurde. Bis heute ist Fronleichnam eines der volkstümlichsten Feste der Katholischen Kirche.
Doch worum ging es Juliana in ihrem unermüdlichen Eifer, dieses Fest einzuführen? Ich glaube, es war einfach ihr Staunen darüber, dass Gott uns Menschen im heiligen Brot so nahe ist. Manchmal geht es mir selber so, dass ich fast erschrecke bei dem Gedanken, dass Jesus wirklich in diesem kleinen weißen Stück Brot gegenwärtig ist.

Jesus hat beim Abendmahl Brot in die Hand genommen, den Segen gesprochen, es gebrochen und seinen Tischgenossen gereicht mit den einfachen Worten: Das ist mein Leib! Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt die Messe gefeiert wird, geschieht dieses Wunder der Wandlung: Aus einem Stück Brot wird der Leib Christi. Christus selber wird „wahrhaft, wirklich, wesenhaft“ gegenwärtig.

Deshalb tragen wir heute den „Herrenleib“ (das bedeutet das Wort „Fronleichnam“) in feierlicher Prozession durch die Städte und Dörfer. Es ist die Freude darüber, dass der Herr so schlicht und so wirklich unter uns gegenwärtig ist. Seine Gegenwart will auch uns verwandeln.

Juliana war davon so ergriffen, so begeistert, dass sie nicht Ruhe gab, bis ihre Vision in Erfüllung ging. Heute sollten wir es dieser Frau danken!

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn (04.06.2015)

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MARKUS 14,12-16.22-26

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm, bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann? Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor! Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.

 
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