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Der Glaube von ... Hosea

„Liebe will ich, nicht Schlachtopfer“}(6,6)

Bild: Julia Meuer

Beheimatet im Nordreich [1], predigt Hosea vermutlich zwischen 750 und 725 v. Chr. unter dem König Jerobeam II., aber seine Tätigkeit setzt sich fort unter den Nachfolgern dieses Königs. Das Zeitalter Hoseas ist gekennzeichnet durch eine große politische Instabilität, sowohl auf externer wie auf interner Ebene: außerhalb breitet sich Assyrien gefährlich aus und zögert nicht, Israel zu erobern; im Innern neigt sich die lange und erfolgreiche Herrschaft Jerobeams II. dem Ende zu und wird einige Putschversuche nach sich ziehen; die moralische und religiöse Korruption ist gewaltig. 722 v. Chr. wird Samarien erobert und dessen intellektuelle Oberschicht deportiert, was das Ende des Nordreichs nach sich zieht. In diesem schwierigen Kontext wendet sich Hosea an seine Landsleute aus Israel [2], jedoch mit einigen Anspielungen auf das Südreich (vgl. 1,1; 4,15; 5,5; 5,10-13; 6,4.11; 12,3), vermutlich das Werk von späteren Redakteuren (zwischen 730 und 400), die zeigen, dass auch dieser Teil des Landes sich von seinen Mahnungen angesprochen fühlen soll, auch wenn er noch bis zum Babylonischen Exil im Jahr 587 v. Chr. weiterbestehen wird.

Hosea verurteilt die Korruption und Ungerechtigkeit, die sich in seinem Land ausbreiten. Die Wurzel von all dem Übel findet sich nach ihm in der Götzenverehrung, die das Volk von seinem Gott entfernt. Der Prophet wendet sich in erster Linie an Israel, weil er feststellt, dass dieser Teil des Landes, mehr als Juda (12,1-2), vom Wirtschaftswachstum aufgrund des internationalen Handels betroffen ist. Israel steht in Kontakt sowohl mit den kanaanäischen Nachbarn, die der Handel auf sein Territorium gelockt hat, wie auch mit den Fürsten der Nachbarländer: Tyrus, Sidon und Damaskus. Deren Verehrung der vergöttlichten Naturkräfte gewährleistet die Fruchtbarkeit von Boden, Vieh und Menschen. Hosea nimmt wahr, wie Israel von diesen Religionen verführt wird. Er ist schockiert, dass es versucht, sie mit der Verehrung Jahwes in Einklang zu bringen und dabei den Bund vergisst (2,18), dessen Nutzen ihm nicht unmittelbar ersichtlich ist. Er sieht darin eine untragbare Untreue des Volkes gegenüber Gott. Seine persönliche Erfahrung (Kap. 1-3) wird ihm verständlich machen, dass Gott seine „untreue Ehefrau“ immer lieben wird und darauf zählt, sie zurückzugewinnen.

In der Tat wird der Misserfolg seiner Ehe mit Gomer [3] zu einer Parabel der Beziehung Gottes mit seinem Volk. Seine Frau, eine Prostituierte, wird zum Symbol des Volkes, das glaubt, es könne sein Leben absichern, indem es einen eigennützigen Kult praktiziert (2,7) und sich so von der Liebe trennt, die als einzige eine „Gotteserkenntnis“ [4] (4,1b) ermöglicht. Für Hosea ist genau dieses Fehlen der Liebe zu Gott und dem Nächsten der Ursprung der großen Sünden, die von den Führern des Volkes begangen werden (4,1-3). In erster Linie klagt der Prophet die Priester an, „die den Herrn verlassen haben“ (4,10b) und das Volk hinsichtlich der Gotteserkenntnis anleiten (4,6). Sie zögern nicht, den Sinn der Religion zu ihren eigenen Gunsten zu pervertieren, wie Prostituierte (4,8 und 4,14). Auch die politischen Führer sind schuldig: sie denken an nichts anderes, als sich zu bereichern (8,14), sie regieren das Volk mit Ungerechtigkeit (vgl. 7,6; 10,13; 8,8-10) und nehmen in ihren politischen Entscheidungen keinerlei Rücksicht auf ihren Glauben an Gott (7,6), sondern setzen ihr ganzes Vertrauen in ihre eigenen Kräfte (vgl. 5,13; 7,11; 8,9; 12,2; 10,13b). Indem sie dies tun, führen sie das Land in seinen Untergang (7,9; 8,7; 13,15).

Wie wird Gott sein Volk behandeln, das dermaßen untreu geworden ist? Für Hosea ist klar, dass Gott, ein „gekränkter Liebender“, nichts anderes tun kann, als einen Prozess gegen es zu führen (vgl. 2,4 und 4,1; 8,1) und es für seine „zahlreichen Vergehen“ (7,1; 9,7.9; 10,2) zu bestrafen. Auf diese Weise interpretiert der Prophet daher die assyrische Deportation, die Israel von allem enteignet, was ihm Sicherheit gibt (2,8-9 und 3,2-4; 9,3.6-7; 8,14b; 10,5-6). Dennoch wendet sich Hosea der Hoffnungslosigkeit des Volkes zu (10,8) und versichert diesem, dass diese Bewährungsprobe der „Wüste“ für den Herrn die Möglichkeit sei, „seine Geliebte“ zu „verlocken“, damit sie letztlich zur Liebe ihrer Jugend zurückkommt (2,16-20). Er erinnert an die leidenschaftliche Liebe des Herrn für sein Volk, das er einmal der Knechtschaft entrissen hat, um es „mit menschlichen Fesseln und Ketten der Liebe“ zu führen, wie ein Elternteil, das sein Kind mit Zärtlichkeit erzieht (11,1-4). Hosea ist überzeugt, dass der Herr, bewegt von dieser mütterlichen Liebe, sich dazu entschließen wird, seinem Volk zu verzeihen, denn „er ist Gott und nicht Mensch“ (11,8-11).

Nun wird die „untreue Ehefrau“ verstehen, dass der Kult, zu dem Gott sie auffordert, eine echte Liebesbeziehung ist: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer“ (6,6). Gemäß dem Propheten, besteht ein Gott wohlgefälliger Kult, im Leben oder der Praxis von Recht und Gerechtigkeit, verbunden mit Treue und Zärtlichkeit (2,21-22). Hosea ist zuversichtlich, dass das Volk, sobald es sich dieser Sache bewusst ist, fähig sein wird dem Herrn zu antworten (2,16), und dieser wird es aus der Knechtschaft in das Land zurückkehren lassen (11,11; 12,10). So wird Israel zu dem werden, wozu es aufgerufen ist: das Zeichen eines Liebesbündnisses zwischen Gott und seiner Schöpfung (2,20).

Par excellence ist Hosea der Prophet des gegenüber den Armen barmherzigen und gerechten Gottes. Seine Botschaft ist für uns ein inständiger Aufruf, uns in unserer Beziehung zu Gott und dem Nächsten zu bekehren. Der Glaube Hoseas spricht Kirche und Gesellschaft an: er erinnert uns daran, dass der Gott wohlgefällige Kult im Aufbau einer Welt von Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Vergebung besteht.

Fragen:

- Welche Verhaltensweisen verurteilt der Prophet?
- Inwiefern symbolisiert das, was Hosea als Ehe erfahren hat, die Beziehung zwischen Gott und dem Volk?
- Zu welcher Art der religiösen Praxis lädt uns der Glaube Hoseas ein?

[1Mit dem Tod Salomons im Jahr 933 v. Chr., wurde Palästina, dessen Stämme unter den Königen David und Salomon vereint worden waren, erneut geteilt, und es kam zur Entstehung des Südreiches (mit der Hauptstadt Jerusalem) und des Nordreiches (mit der Hauptstadt Samaria).

[2Israel wird oft mit „Efraim“, dem Namen seines größten Stammes, angesprochen.

[3Der Name Gomer scheint keine spezielle Bedeutung zu haben, wohingegen seine Tochter einen Symbolnamen trägt: sie heißt Lo-Ruhama, „kein Erbarmen, denn von jetzt an habe ich kein Erbarmen mehr mit dem Haus Israel“ (vgl. Hos 1,6).

[4Dieser Ausdruck wiederholt sich bei Hosea (4,1; 5,4; 6,3; 8,2; 13,4-5), und kommt auch an anderen Stellen in der Bibel vor (vgl. Gen 4,1); er beinhaltet mehr die Konnotation der ehelichen Liebe, denn der intellektuellen Kenntnis.

 
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