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Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit

Die gleiche Würde aller Menschen

„Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit“
Die gleiche Würde aller Menschen

Prophetentext Jesaja 56,1-8

Fragen zur Lektüre in Gemeinschaft

  • Welcher Satz erstaunt mich oder spricht mich besonders an? Warum?
    • Was verkündet der Prophet dem Fremden und den Verschnittenen?
    • Was sind nach dem Propheten Kriterien der Treue zu Gott?
    • Welche neue Auffassung des Heiligen führt der Prophet ein?

Zum besseren Verständnis von Jesaja 56,1-8

Die Botschaft des dritten Jesaja (Kapitel 56-66) wird nach dem Exil (nach 539 v. Chr.) verortet. In dieser Zeit kursieren verschiedene religiöse Formen im Land neben dem Glauben Israels an den einen Gott. Es entwickelt sich ein Konflikt zwischen denen, die im Land geblieben waren, und denen, die dorthin zurückkehren. Die Frage nach den Kriterien für die Zugehörigkeit zum Volk Gottes und des wahren Kultes werden zentral: Was macht man mit den Fremden, die als Proselyten dem Gottesvolk nahe stehen und seinen Glauben teilen, aber durch ihre Herkunft niemals völlig dazugehören werden? Was ist mit den Verschnittenen, den Eunuchen, die sich wegen ihrer Zeugungsunfähigkeit vom Kult ausgeschlossen sehen (vgl. Dtn 23,2; Lev 21,20), da das Volk Gottes dem Nehmen und der Weitergabe des Lebens einen sehr hohen Stellenwert zumisst. Daher wird jegliche physische Abweichung als ein Zeichen der Unreinheit angesehen, die die Person, die darunter leidet, von jeglichem Zugang zum Tempel ausschließt.

Auf diese Frage, die die Würde des Menschen betrifft, antwortet Jesaja. Ihm zufolge ist es das Wichtigste, den Sabbat [1] zu halten, als Zeichen des gottgefälligen Lebens, also im Sinne von Recht und Gerechtigkeit. Folglich werden alle Formen der Exklusion, sei es aufgrund von körperlichen Erscheinungen, Volkszugehörigkeiten oder Sexualität, relativiert oder abgeschafft.

Der Tempel liegt noch in Trümmern, man geht jedoch davon aus, dass die wichtigsten Kultversammlungen in diesen Trümmern abgehalten wurden. Um aber in den heiligen Bereich zu gelangen, muss man rein und befähigt sein, dem Gottesdienst beizuwohnen. Der heilige Charakter des Tempels zeigt sich durch eine Reihe von Ausschlusskriterien. Der Prophet kehrt dieses Zeichen des Respekts des Tempels um: indem er ein „Haus des Gebetes für alle Völker“ wird, antwortet der Tempel auf den Willen Jahwes.

Der Prophet erinnert daher nochmals an den einzigen Weg dorthin zu gelangen: leben im Einklang mit Gerechtigkeit für das Gegenüber und für die anderen Völker, die ebenfalls zum Betreten des Tempels aufgerufen sind. Mit der Heilsverheißung in Vers 1 verbindet der Prophet zugleich ein Mahnwort: die Menschen sollen sich auf das Kommen des Heils einstellen und auch so handeln, dass das Heil auf fruchtbaren Boden fällt. Die Frohe Botschaft, die das Heil ankündigt, richtet sich auch an die Fremden und Verschnittenen, aber sie fordert zugleich, dass alle nach Recht und Gerechtigkeit handeln, um den Willen Gottes zu erfüllen, alle Menschen und alle Völker in seinem Haus zu versammeln (Vv. 7-8).

Gaudium et Spes 29 im Licht von Jesaja 56,1-8

Fragen zum Leben in der Gemeinschaft

  • Welcher Satz erstaunt mich oder spricht mich besonders an? Warum?
    • Wie beleuchtet dieser Text Jesaja 56,1-8?
    • Inwiefern spricht dieser Text unsere heutigen christlichen Gemeinschaften an?

Aktualisierung

Alle Menschen sind in ihrer Gottebenbildlichkeit und ihrer „göttlichen Bestimmung“ gleich. Für die Christen ist dies das Fundament der Würde des Menschen. Diese Würde muss unter allen Umständen gewahrt und respektiert werden. Die Konzilsväter bedauern, dass dies noch nicht überall der Fall ist, und prangern diesen Umstand auch in aller Deutlichkeit an. Sie sehen das Ungleichgewicht zwischen den Nationen im Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit und das Wohlergehen und befürchten, dass dies zu Konflikten auf verschiedenen Ebenen führen wird. Sie klagen über Ausbeutung und Ungerechtigkeit in den verschiedensten Dimensionen: sei es im Miteinander der einzelnen Menschen, das immer wieder durch Diskriminierung in verschiedenster Hinsicht gestört ist, oder im Verhältnis zwischen Männern und Frauen, wo Frauen oft noch weniger Rechte haben als Männer, oder auch im Verhältnis von Staaten untereinander, wo sehr große Unterschiede in Bezug auf Freiheit, Zugang zu Macht, Reichtum und Bildung zu erkennen sind, die zu großem Ungleichgewicht und zu Unruhen führen können.

Jedoch stellt das Konzil weiterhin fest, dass, wenn auch nicht alle Menschen gleich sind in ihren Talenten und physischen Fähigkeiten, dies nichts an der gleichen Würde aller Menschen ändert. Jeder Mensch hat seine ihm eigenen Talente und Fähigkeiten. Das Konzil fordert einen humanen und gerechten Umgang miteinander. Keiner soll sich auf Kosten anderer bereichern. Die Menschen sollen gemeinsam auf eine neue Weltordnung hinarbeiten, die die gleiche Würde des Menschen und auch das gleiche Recht auf Leben, Gesundheit und Bildung für alle garantieren soll. Die Konzilsväter sehen allerdings ebenso ein, dass dies nicht ohne Weiteres von heute auf morgen geschehen kann. Sie vertrauen jedoch darauf, dass diese neue Ordnung der Dinge zu Stande kommen wird. Das Konzil sagt klar, dass diese sehr aktuellen Probleme nicht verschwiegen werden können, und dass alle dazu aufgerufen sind, zu deren Lösung beizutragen.

[1In der biblischen Tradition gibt es zwei Rechtfertigungen für das Halten des Sabbat: zum einem ist es der Tag, der Gott geweiht ist, um ihn zu ehren (vgl. Gen 2,2; Ex 20,8-11) und dem Menschen, um sich zu erholen, und zum anderen als Zeichen der Anerkenntnis des Gottes, der sein Volk aus der Sklaverei befreite (vgl. Dtn 5,12-15; Ex 23,12). In diesem Zusammenhang wird der Sabbat Zeichen der Befreiung von der Arbeit, die immer riskiert, in Unterdrückung des Menschen zu verfallen.

 
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