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1869-1870: Nicolas Adames auf dem 1. Vatikanischen Konzil

150 Jahre Bistum – Wegmarken (19)

1869 berief Papst Pius IX. die Bischöfe der Katholischen Kirche zu einer beratenden und beschlussfassenden Versammlung nach Rom ein. Dieses 1. Vatikanische Konzil – es ist das 20. ökumenische, für die gesamte katholischen Kirche verbindliche Konzil – sollte in der Hauptsache eigentlich das Spannungsverhältnis zwischen Religion und modernem Gedankengut behandeln, doch es erregte vor allem durch seinen Beschluss „Pastor aeternus“ Aufsehen. Darin wurde das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes in (ex cathedra entschiedenen) Glaubens- und Moralfragen und sein Status als oberste richterliche Instanz der katholischen Kirche fixiert. Der Beschluss war keineswegs unumstritten. Vor allem die Bischöfe aus den deutschen Staaten und Österreich-Ungarn wandten sich dagegen und reisten ab, um nicht mit abstimmen zu müssen. Später unterwarfen sie sich dem Beschluss, doch einige wenige Gläubige gingen diesen Weg nicht mit, trennten sich von Rom und begründeten die Christ- oder Altkatholische Kirche.

Zum Konzil eingeladen war auch Nicolas Adames als Bischof von Halikarnassos und Apostolischer Vikar im Großherzogtum Luxemburg. Er reiste im November 1869 gemeinsam mit dem Bischof von Trier nach Rom. Der dortige Aufenthalt war von vielfältigen Kontakten zu zahlreichen Bischöfen und wichtigen Würdenträgern der Kurie geprägt. Adames traf jedoch auch andere Personen wie den inkognito in der Stadt weilenden Prinzen der Niederlande und Statthalter Luxemburgs, Heinrich von Oranien-Nassau (Bild 1). Auf dem Konzil erwies Adames sich als Unterstützer des Papstes und des Unfehlbarkeitsdogmas. Am 1. Juli 1870 trat er selbst als Redner vor das Konzil und befürwortete die Entschließung. Dabei konnte er sich auf die Zustimmung des Luxemburger Klerus verlassen, die ihm regelmäßig in schriftlicher Form zugetragen wurde. Ein Beispiel hierfür ist die in Bild 2 gezeigte Adresse der Geistlichen des Dekanats Wiltz, welche den Apostolischen Vikar im Juni 1870 in seiner Haltung bestärkten. Dass diese Papsttreue bald in besonderer Weise belohnt werden sollte, war den Autoren zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht bekannt.

DAL, GV.Adames 8, Baron Taets von Amerongen an Nicolas Adames, Rom, 13. Januar 1870
DAL, GV.Adames 8, Baron Taets von Amerongen à Nicolas Adames, Rome, 13 janvier 1870
DAL, GV.Adames 8, Klerus des Dekanats Wiltz an Nicolas Adames, Wiltz, Juni 1870, Seiten 1 und 3
DAL, GV.Adames 8, Clergé du doyenné de Wiltz à Nicolas Adames, Wiltz, juin 1870, pages 1 et 3

Transkription Bild 1

Rome Jeudi matin 13 Janvier
[1870]
Monseigneur!
SS. AA. RR. Monseigneur le
Prince et Madame la Princesse Henri des Pays-Bas
sont pour 24 heures à Rome dans un
incognito complet. Je suis chargé de
la part de SS. AA. RR. de vous inviter
à diner pour ce soir à 6 ½ heures
à l’hôtel de Rome.
Veuillez m’honorer d’un mot de réponse
et agréer l’assurance de ma très haute
considération.
Baron Taets van Amerongen
Chambellan Maréchal
de la Cour.

Transkription Bild 2

Wiltz, den Juni, 1870.
[Beantw. den 23/6. 70]
[s. lux Wort 1870/158]
[ (Wiltz) ]
Hochwürdigster Herr Bischof,
Der Clerus des Decanats Wiltz, im apostolischen
Vikariate Luxemburg, hat mir [sic!] der größten Zufriedenheit
vernommen, daß auch Ihro Bischöflichen Gnaden sich unter
den Vätern des jetzt zu Rom versammelten Concils
befinden, die das Postulatum gestellt haben, daß die
Unfehlbarkeit des Papstes, des Statthalters Jesu Christi
und Nachfolgers des h. Petrus, wenn er als oberster
Lehrer der katholischen Kirche ex cathedra über Glaubens-
und Sittensachen entscheidet, bei dieser Gelegenheit durch
das hochheilige allgemeine Concilium feierlich als Dogma
proclamirt werde. Zwar haben wir niemals an dieser
Wahrheit gezweifelt, die ja in der h. Schrift begründet,
von den Kirchenvätern schon in den ersten Jahrhunderten
der Christenheit gelehrt, und selbst durch allgemeine Con-
cilien dem Wesen nach ausgesprochen wurde; indessen
erfordern die heutigen Umstände es, daß jene Wahrheit
förmlich als Glaubensartikel declarirt werde, um jeder
Controverse in Zukunft die Spitze abzubrechen.
Die allzugroßen Bedenklichkeiten einiger Väter des
Concils über die Opportunität oder Nicht-Opportunität
jener feierlichen Proclamation darf bei einer so wichtigen
Sache nicht in die Wagschale gelegt werden; denn die
Wahrheit findet immer Widerspruch: Veritas odium
parit. Daß die hohle und aufgeblasene Weltweisheit
mehr oder weniger Einsprache dagegen erheben würde,
und wirklich schon erhoben hat, das ließ und läßt sich
erwarten. […]

[Seite 3]

Im Namen des Clerus des Decanats Wiltz:
Die Geistlichkeit der Stadt Wiltz:
J[ean] B[aptiste] Scheer J[ean] Linden Dechant
N[icolas] Millang J[ean] Weicherding
N[icolas] Cravat J[ean] Schiltz
[…]

 
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