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Besuch von 7 Seminaristen der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine

Vom Umbruch zum Aufbruch – Was Luxemburg von der Ukraine lernen kann

Sieben Seminaristen der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine aus Lviv/Lemberg haben zusammen mit ihrem Regens und Bischof Borys Gudziak von Paris am 4. Mai im Grand Séminaire – Centre Jean XXIII die Luxembourg School of Religion & Society besucht, wo sie von Seminarpräses Patrick Muller in Vertretung von Direktor Jean Ehret empfangen wurden.

Der Besuch war Teil eines Ausbildungsprogrammes „Europäische Geschichte“, der die angehenden Priester aus der Ukraine bereits nach Reims und zu den Gedenkstätten an die Schlacht von Verdun geführt hatte. In Luxemburg hatte die Gruppe aus der Ukraine bereits das Geburtshaus von Robert Schuman besucht.

Bischof Gudziak ist ein hoch angesehener Kirchenhistoriker und neben seinem Amt als Bischof der griechisch katholischen Kirche für Frankreich, Benelux und die Schweiz mit Sitz in Paris auch Präsident der Ukrainisch Katholischen Universität in Lviv/Lemberg, der ersten und einzigen katholischen Universität in kirchlicher Trägerschaft auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion.

Die Begegnung im Centre Jean XXIII begann mit einer Begrüßung in der Kapelle des Seminars, wo die Ukrainer spontan den Osterhymnus „Chrystos Woskrese“ anstimmten, denn für sie lag Ostern erst drei Tage zurück. Der anschließende Austausch begann mit einer Führung durch die Bibliothek durch Bibliotheksmitarbeiter Bodo Bost, der selbst ein Jahr in der Ukraine gearbeitet hatte. Die Gespräche im zwanglosen Clubraum des Seminars begannen mit einer Vorstellung der Luxemburger Priesterausbildung durch Seminarpräses Patrick Muller. Die Gespräche drehten sich um kirchenaktuelle und historische Themen, wie die Bereiche Kirche und Gesellschaft, Bildung und Ethik in der heutigen Zeit. Hier konnte man in vielen Fragen weitgehende Übereinstimmungen feststellen.

Umbruch als Chance zu neuem Aufbruch

Während die Luxemburger Kirche sich noch in einer Periode des ungewissen Umbruchs befindet, hat die Ukraine diesen Umbruch in den 1990er Jahren sehr erfolgreich bewältigt, als die griechisch-katholische Kirche der Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion nach 40 Jahren Verbot und Untergrund wieder aus den Katakomben herauskam.

Hatte diese Kirche 1990 noch 200 Priester, die allesamt über 70 Jahre alt waren, hat sie heute wieder 3.000 Priester mit einem sehr jungen Durchschnittsalter, dazu kommen noch 800 Seminaristen, die sich in der ganzen Ukraine auf das Priesteramt vorbereiten, berichtete Bischof Gudziak. Ihre Mitgliederzahl konnte die griechisch-katholische Kirche der Ukraine von einst 2 auf heute 5 Mio. mehr als verdoppeln und die Anzahl der Diözesen ist auf 33 gestiegen, dies alles in einem multikonfessionellen Land, in dem sich vier Großkirchen auf die Byzantinische Tradition berufen.

Ein anderes Zeichen dieses Umbruchs der zu einem Aufbruch geworden ist, ist die katholische Universität von Lemberg, der einzigen zwischen Polen und Japan, wie Bischof Gudziak sagte, deren Entstehung und Prägung der aus den USA stammende Bischof in fast 20 Jahren an vorderster Stelle mitbegleitet hat und deren Präsident er bis heute ist. Die Universität sei gerade in der heute sehr schwierigen Lage der Ukraine zu einer festen Referenz geworden, die von allen gesellschaftlichen Gruppen anerkannt und ernst genommen werde.

Mehrere Studenten und Professoren haben auf dem Kiewer Maidan und in dem Krieg in der Ostukraine ihr Leben für die Freiheit der Ukraine geopfert. Dieses Zeugnis, ebenso wie das Zeugnis der Treue zum Evangelium und zur Kirche während der vierzigjährigen Unterdrückung mache die Stärke der heutigen griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine aus. Als besonderes Beispiel hob Bischof Gudziak das Lebenszeugnis von Kardinal Jossyf Slipyj (1892-1984) hervor, den selbst 20 Jahre Haft und Verbannung in Sibirien nicht gebrochen hätten, und der nach seiner Befreiung aus der Haft während des 2. Vatikanischen Konzils bis zu seinem Lebensende zum unermüdlichen Erneuerer seiner Kirche geworden sei. Sein Besuch in den USA und sein Zeugnis hatte auch Borys Gudziak einst bewogen Priester zu werden.

Bodo Bost

 
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