Mit Blick aufs Kreuz...

Überlegungen zum neuen Kreuz in der Basilika


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Im Laufe des Lebens erfährt jeder die Sonnen- und Schattenseiten der menschlichen Existenz. Das Kreuz gehört unwiderruflich dazu. Aber für Glaubende und Hoffende ist es weit mehr als nur ein Zeichen des Todes. Am Kreuz gibt Jesus sein Leben hin für uns, eine Liebe die bis zum Äußersten geht und stärker ist als alles. Mit der Auferstehung Christi ist der Tod ein für alle Mal überwunden. Das Kreuz wird so zum Erkennungszeichen für uns Christen, zum Zeichen der sich verschenkenden Liebe, zum Zeichen der Hoffnung, zum Zeichen des Sieges über Sünde und Tod.

Auch Willibrord stellte sein Leben ganz und gar unter das Kreuz. Er war beseelt von der Idee, die Botschaft Gottes in die Welt hinaus zu tragen. Um allen zu verkünden, dass Gottes Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens bereits mit Jesus angebrochen ist.

Alkuin beschreibt in seiner Vita, dass Willibrord auf seinen Missionsreisen ein goldenes Kreuz mit sich trug (Alkuin, Das Leben des heiligen Willibrord, hg. v. Paul Dräger, Trier 2008, Kap. 30). Nicht selten wird er mit dem Kreuz in der Hand dargestellt, gehörte es doch zur Grundausstattung der Missionare. Rainer Neu schreibt darüber: „Es wurden Symbole gebraucht, die auch in ihrem (Anm.: der Heiden) kulturellen Kontext verständlich waren. Das Kreuz (…) mochte sie an ein Siegeszeichen erinnert haben und sein kostbares Material, Silber oder Gold, wies auf die Kostbarkeit der Sache hin, die hier zu ihnen gebracht wurde.“ (Rainer Neu, Willibrord und die Christianisierung Europas im Frühmittelalter, Stuttgart 2021, S.123 f.).

Seit Karfreitag dieses Jahres (2022) ermöglicht die Basilika einen neuen und ungewöhnlichen Blick auf den Erlösertot Jesu Christi. Der Künstler und Architekt Johannes Nagel, der bereits vor 26 Jahren mit seinem Vater ein Kreuz für die Kuppel der Grabeskirche in Jerusalem anfertigen durfte (der wichtigsten Kirche der Christenheit), hat ein beeindruckendes Hänge-Kreuz für den Hochaltar geschaffen. Es stellt den Lebensbaum dar und will auf das tiefe Geheimnis des Kreuzestodes Christi hinweisen: das Zeichen des Todes wird zum Zeichen des Lebens. Von besonderer Aussagekraft und erhabener Schönheit ist der vermutlich aus Nordfrankreich stammende und rund 500 Jahre alte Christus-Corpus, der dem Kreuz erst die wahre Mitte verleiht.

Kreuz und Corpus gehen mit dem monumentalen Glasgemälde von Jacques le Chevalier eine bemerkenswerte Symbiose ein. Besonders in den Morgenstunden tritt das Kreuz in den Hintergrund. Die leuchtenden Farben des Fensters, vor allem das feurige Rot, Farbe der Liebe und der Hingabe, durchdringen das Kreuz und lassen Christus als Weltenherrscher erscheinen. Je dunkler es jedoch in der Basilika wird, umso klarer erscheint Christus am Lebensbaum. Gerade in der Hoffnungslosigkeit unserer irdischen Existenz wird die Liebe Gottes erkennbar, die sich bedingungslos verschenkt und somit den Tod überwindet. Willibrord, der vor dem dreifaltigen Gott in betender Haltung dargestellt ist, kniet auch vor dem Kreuz, wenn man nur den richtigen Blickwinkel findet. Und noch etwas offenbart sich dem aufmerksamen Betrachter: Obwohl das Kreuz mittig über dem Hochaltar aufgehängt ist, scheint es aus der Mitte heraus zu sein, da der Chor sich nach Süden neigt. Und so ergibt es sich fast von selbst, dass die Mitte dort ist, wo Christus ist.

Im Namen aller Besucherinnen und Besucher der Basilika möchte ich mich sehr herzlich bedanken bei der edlen Spenderfamilie, die uns dieses bedeutende Kunstwerk und damit auch den neuen Blick auf das Kreuz Jesu ermöglicht hat. Mit allen Pilgerinnen und Pilger freue ich mich sehr, dass wir wieder eine Springprozession haben dürfen, und die dunkle Zeit der Pandemie, die uns die letzten 2 Jahre in Atem hielt, größtenteils überwunden ist. Mit hoffnungsvollem Blick aufs Kreuz!

Francis Erasmy

Links:

Ansprache des Künstlers
Fotoserie: Kruzifix Basilika
Basilika

 
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