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Die Pfarrei Lëtzebuerg Notre-Dame lädt ein im Stadtgrund in der Kirche Sankt Johann immer freitags – dieses Jahr während der Fastenzeit ab 27. Februar – an den Wallfahrten teilzunehmen.
09h00: Messe zum Gedächtnis der Schmerzen Mariens auf Meinung der Pilger
14h30: Kreuzwegandacht mit Predigt und sakramentalem Segen
Vom Rhein an die Alzette Das Gnadenbild der Schwarzen Notmuttergottes stammt aus dem Kölner Raum
Autor: Marc Jeck[1]
Besondere Verehrung während der Fastenzeit in Stadtgrund
Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Gnadenbild der Schwarzen Notmuttergottes gilt als eine der schönsten Marienstatuen des Großherzogtums und wird seit über 200 Jahren insbesondere während der österlichen Bußzeit in der Sankt-Johann-Kirche in Luxemburg-Stadtgrund verehrt.
Die einst im Franziskanerkloster auf dem hauptstädtischen Knuedler zwischen den Pestheiligen thronende „Mater Dei et Stella Coeli“ aus dem 14. Jahrhundert ist bis heute ein Andachtsobjekt, das seit 1805 in der St.-Johann-Kirche einen Ehrenplatz hat. Dieses als Schwarze Notmuttergottes bekannte Gnadenbild, das im Kontext der Sonderausstellung „Schöne Madonnen am Rhein“ [2010 im LVR-Landesmuseum Bonn neu interpretiert werden konnte], stammt – wie die über 150 Jahre jüngere Statue der „Consolatrix Afflictorum“ – aus dem Kölner Raum.
Es ist anzunehmen, dass auch rheinische Kunst in Luxemburg im 14. und 15. Jahrhundert in Umlauf gebracht wurde. Die um 1360 bis 1380 datierte Schwarze Madonna aus der St.-Johann-Kirche in Luxemburg-Stadtgrund hat damals ihre Reise vom Rhein an die Alzette angetreten.
Die Gesichter von Mutter und Kind der Schwarzen Madonna sind auch mit der Statue der heiligen Katharina in Herkenrath (um 1380) vergleichbar. „Die Mutter schaut halb auf den Betrachter und halb auf das Kind, das ehemals wohl in seinem rechten Händchen einen Vogel hielt und sich ihr zuwendet“, schreibt Gude Suckale-Redlefsen in ihrem rezenten Beitrag über die Schwarze Madonna aus Luxemburg[2].
Die Luxemburger Schwarze Madonna muss zudem auch im Rahmen der vielschichtigen Beziehungen zwischen dem Herzogtum Luxemburg und dem Rheinland als Wiege der „schönen Madonnen“ verstanden werden.
Wenn sich die Geschichte des Bildes aus den bisher bekannten Quellen nur bis in das Franziskanerkloster zurückverfolgen lässt, so ist die schwarze Farbe an den Körperteilen der Madonna und ihres Kindes ungeklärt. Ist das Gnadenbild von Anfang an schwarz gewesen oder ist es mit der Zeit durch die Feuchtigkeitsschwankungen und den Kerzenrauch dunkler geworden? Auf jeden Fall hat die schwarze Farbe der Statue eine große Akzeptanz beim Volk gehabt. „Seit Jahrhunderten wird sie gegen die Pest, den ,Schwarzen Tod’ angerufen; ein Umstand, der glaubwürdig erklären dürfte, wieso Gesicht und Hände von Mutter und Kind im Laufe der Jahrhunderte einmal geschwärzt wurden“[3]. 1954 restauriert Albert Hames die Polychromie, die die im Laufe der Zeit entstandene bräunlich-schwarze Tönung des Inkarnats berücksichtigt.
Anlässlich des Millenniums der Stadt Luxemburg im Jahre 1963 wird eine Briefmarke mit dem Motiv der Schwarzen Madonna in Umlauf gebracht. Symbolträchtig ist die Entscheidung, anlässlich der Tausendjahrfeiern der Hauptstadt die aus dem 14. Jahrhundert stammende Statue philatelistisch zu verklären.
Alljährlich finden an den Freitagen der Fastenzeit die Pilgerfahrten zur Schwarzen Muttergottes statt, die dieses marianische Kultzentrum erneut in den Mittelpunkt der Luxemburger Volksfrömmigkeit stellen.
Eine besondere Stellung der Wallfahrt
In der Wallfahrtsgeographie und Wallfahrtsvolkskunde nimmt die Pilgerfahrt zur Schwarzen Notmuttergottes allerdings eine besondere Stellung ein. Auch wenn sich keine überlieferten Legenden um die als „wundertätig“ geltende Statue ranken – eine oft mit dem Kultobjekt zusammenhängende Legende ist hier nicht klar ersichtlich –, so erfreuen sich die Parler-Statue und die damit verbundene Wallfahrt bei den Marienverehrern einer großen Beliebtheit.
Die Tradition der Freitagsgottesdienste geht auf die Franziskaner zurück[4] wie auch die 36 Strophen des Liedes zum Bitteren Leiden Christi, die noch immer alljährlich während der Wallfahrt zur Schwarzen Madonna erklingen. Ob mit der Schwarzen Madonna im gleichen Zuge auch Musik vom Rhenus superbus, wie die Römer den Rhein nannten, nach Luxemburg kam, bleibt ebenfalls zu klären. Wie auch immer: Am 8. März 1398 beauftragt Wenzel II. den Luxemburger Gouverneur, 550 Gulden an die „Stadtpfeifer“ auszuzahlen und das erste Volkslied in moselfränkischer Sprache, aus der das Luxemburgische hervorging, stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert und beschreibt… den Rhein!
Lieder zur Schwarzen Notmuttergottes komponierte Abbé Laurent Drees, der ehemalige Pfarrer von Stadtgrund, auf Texte aus der Feder von Mathias Feider […] – die musikalische Verklärung einer kunsthistorisch interessanten Madonna, die glanzvoll im Alzettetal am Saum des Bockfelsens thront und nun erneut zu einer besonderen Auszeit inmitten der Fastenzeit einlädt.
[1] Auszüge aus: Marc Jeck, „Vom Rhein an die Alzette“, in Luxemburger Wort. Die Warte, 25.02.2010, Nr. 7|2285.
[2] Gude Suckale-Redlefsen, Schwarze Madonnen (Anm. 7).
[3] Laurent Drees (Hg.): Pilgerbüchlein zur Schwarzen Muttergottes, Luxemburg, 1983.
[4] Joseph Reuter schreibt: „An den Freitagen wurde in der Kapelle ein feierliches Hochamt gesungen zu Ehren der Gottesmutter.“