Bußsakrament – Beichte*

1. Sakrament der Heilung

225 Welche Namen gibt es für das Bußsakrament?

Das Bußsakrament wird auch Sakrament der Versöhnung, der Vergebung, der Umkehr oder Beichte genannt. [1422-1424, 1486]

227 Wer hat das Bußsakrament begründet?

Jesus selbst begründete das Bußsakrament, als er sich am Ostertag seinen Aposteln zeigte und sie aufforderte: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22b-23). [1439, 1485]

Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. (Joh 20,23)

Nirgends hat Jesus schöner gesagt, was im Bußsakrament geschieht, als im Gleichnis vom barmherzigen Vater: Wir verirren uns, verlieren uns, können nicht mehr. Doch unser Vater wartet auf uns mit großer, ja unendlicher Sehnsucht; er verzeiht uns, wenn wir zurückkommen; er nimmt uns immer wieder an, vergibt die Sünde. Jesus selbst hat vielen Menschen ihre Sünden vergeben; es war ihm wichtiger, als Wunder zu wirken. Er sah darin das große Zeichen für den Anbruch des Reiches Gottes, in dem alle Wunden geheilt und alle Tränen getrocknet werden. Die Kraft des Heiligen Geistes, in der Jesus Sünden vergab, hat er an seine Apostel weitergegeben. Wir allen unserem himmlischen Vater in die Arme, wenn wir zu einem Priester gehen und beichten.

228 Wer kann Sünden vergeben?

Allein Gott kann Sünden vergeben. „Deine Sünden sind dir vergeben!“ (Mk 2,5) konnte Jesus nur sagen, weil er der Sohn Gottes ist. Und nur, weil Jesus sie bevollmächtigt hat, können Priester an Jesu Stelle Sünden vergeben. [1441-1442]

Mancher sagt: Das mache ich mit Gott direkt aus, dazu brauche ich keinen Priester! Gott will es aber anders. Er kennt uns. Wir mogeln uns über die Sünden hinweg, kehren die Dinge gerne unter den Teppich. Deshalb will Gott, dass wir unsere Sünden aussprechen und sie von Angesicht zu Angesicht bekennen. Darum gilt für Priester: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben. Wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,23).

229 Was macht einen Menschen bereit zu Reue?

Aus der Einsicht in die persönliche Schuld entsteht die Sehnsucht, sich zu bessern; das nennt man Reue. Zu ihr gelangen wir, wenn wir den Widerspruch zwischen der Liebe Gottes und unserer Sünde sehen. Dann sind wir voller Schmerz über unsere Sünden; wir nehmen uns vor, unser Leben zu ändern, und setzen unsere ganze Hoffnung auf die Hilfe Gottes. [1430-1433, 1490]

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. (1 Joh 1,8)

Die Realität der Sünde wird oft verdrängt. Manche glauben sogar, man müsste gegen Schuldgefühle einfach nur psychologisch vorgehen. Aber echte Schuldgefühle sind wichtig. Es ist wie im Auto: Wenn der Tacho eine Geschwindigkeitsübertretung anzeigt, ist nicht der Tacho schuld, sondern der Fahrer. Je näher wir Gott kommen, der ganz Licht ist, desto deutlicher treten auch unsere Schattenseiten zutage. Aber Gott ist kein Licht, das verbrennt, sondern ein Licht, das heilt. Deshalb treibt uns die Reue an, in das Licht zu gehen, in dem wir ganz gesund werden.

230 Was ist Buße?

Buße ist Wiedergutmachung für ein begangenes Unrecht. Buße darf nicht allein im Kopf geschehen, sondern muss sich äußern in Taten der Liebe und im Engagement für andere. Auch indem man betet, fastet und Arme seelisch und materiell unterstützt, tut man Buße. [1434-1439]

Buße wird oft falsch verstanden. Sie hat nichts mit Selbstbeschimpfung und Skrupulantentum zu tun. Buße ist kein Brüten darüber, was ich für ein schlechter Mensch bin. Buße befreit und ermutigt uns, neu anzufangen.

231 Welche beiden Grundvoraussetzungen müssen bei einem Christen gegeben sein, damit Sündenvergebung im Bußsakrament geschieht?

Voraussetzung für die Vergebung von Sünden ist der Mensch, der sich bekehrt, und der Priester, der ihm im Namen Gottes die Lossprechung von seinen Sünden erteilt. [1448]

232 Was muss ich in eine Beichte einbringen?

Zu jeder Beichte gehören die Gewissenserforschung, die Reue, der Vorsatz, das Bekenntnis und die Buße. [1450-1460; 1490-1492; 1494]

315 Was ist überhaupt eine Sünde?

Eine Sünde ist ein Wort, eine Tat oder eine Absicht, mit der ein Mensch bewusst und gewollt gegen die wahre Ordnung der Dinge, so wie sie Gottes Liebe vorgesehen hat, verstößt. [1849-1851, 1871-1872]

Sündigen bedeutet mehr, als gegen irgendwelche von Menschen vereinbarten Regeln zu verstoßen. Die Sünde wendet sich frei und bewusst gegen die Liebe Gottes und ignoriert ihn. Sünde ist letztlich die „bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe“ (Augustinus), und im letzten Extremfall sagt das sündige Geschöpf: „Ich will sein wie Gott“ (Gen 3,5). Wie die Sünde mich selbst mit Schuld belastet, verwundet und in ihren Folgen zerstört, so vergiftet und beeinträchtigt sie auch meine Lebenswelt. In der Nähe Gottes wird Sünde und deren Schwere erkennbar.

316 Wie kann man schwere Sünden (Todsünden) von weniger schweren (lässlichen) Sünden unterscheiden?

Die schwere Sünde zerstört die göttliche Kraft der Liebe im Herzen eines Menschen, ohne die es keine ewige Seligkeit geben kann. Daher wird sie auch Todsünde genannt. Die schwere Sünde bricht mit Gott, während lässliche Sünden nur das Verhältnis zu ihm belasten. [1852-1861, 1874]

Eine schwere Sünde schneidet den Menschen von Gott ab. Eine solche Sünde hat zur Voraussetzung, dass sie sich auf einen bedeutenden Wert bezieht, also sich gegen das Leben oder Gott selbst richtet (z. B. Mord, Gotteslästerung, Ehebruch, etc.), und dass sie in voller Erkenntnis und mit voller Zustimmung begangen wurde. Lässlich sind Sünden, die sich auf nachgeordnete Werte (Ehre, Wahrheit, Eigentum, usw.) beziehen, oder Sünden, die nicht in voller Erkenntnis ihrer Tragweite bzw. nicht mit voller Zustimmung geschehen sind. Solche Sünden stören die Beziehung zu Gott, aber sie brechen nicht mit ihm.

319 Sind wir verantwortlich für die Sünden anderer Menschen?

Nein, wir sind nicht verantwortlich für die Sünden anderer Menschen, es sei denn, wir tragen Schuld, weil wir einen anderen Menschen zur Sünde verführt haben, weil wir daran mitgewirkt oder den anderen in seiner Sünde ermutigt haben oder weil wir eine rechtzeitige Warnung oder Hilfe unterlassen haben. [1868]

233 Welche Sünden muss man überhaupt beichten?

Alle schweren Sünden, an die man sich in genauer Gewissenserforschung erinnert und die man noch nicht gebeichtet hat, können unter normalen Umständen nur in der sakramentalen Einzelbeichte vergeben werden. [1457]

Gewiss gibt es Hemmungen vor der Beichte. Sie zu überwinden ist schon der erste Schritt, innerlich gesund zu werden. Oft hilft es, daran zu denken, dass auch der Papst den Mut besitzen muss, einem anderen Priester – und damit Gott – seine Fehler und Schwächen einzugestehen. Nur in existenziellen Notfällen (so etwa im Krieg, bei einem Fliegerangriff oder wenn sich sonst eine Gruppe von Menschen in Lebensgefahr befindet) kann ein Priester auch einer Gruppe von Menschen die Lossprechung erteilen, ohne dass es vorher zu einem persönlichen Sündenbekenntnis kam (sogenannte Generalabsolution). Man muss allerdings das persönliche Bekenntnis schwerer Sünden nachholen.

234 Wann ist man verpflichtet, seine schweren Sünden zu beichten? Wie oft soll man beichten?

Mit Erreichen des Unterscheidungsalters ist man verpflichtet, seine schweren Sünden zu beichten. Die Kirche legt den Gläubigen dringend nahe, dies wenigstens einmal jährlich zu tun. Jedenfalls muss man vor dem Empfang der heiligen Kommunion beichten, sollte man eine schwere Sünde begangen haben. [1457]

Mit „Unterscheidungsalter“ meint die Kirche das Alter, in dem man zum Vernunftgebrauch gekommen ist und zwischen Gut und Böse zu unterscheiden gelernt hat.

235 Kann man auch beichten, wenn man keine schweren Sünden begangen hat?

Die Beichte ist auch dann das große Geschenk der Heilung und der tieferen Verbindung mit dem Herrn, wenn man im strengen Sinn nicht beichten müsste. [1458]

In Taizé, auf Katholikentagen, auf den Weltjugendtagen – überall sieht man Jugendliche, die sich mit Gott versöhnen lassen. Christen, die es ernst meinen mit der Nachfolge Jesu, suchen die Freude, die aus einem radikalen Neuanfang mit Gott kommt. Selbst die Heiligen gingen regelmäßig beichten, wenn es möglich war. Sie brauchten das, um in der Demut und der Liebe zu wachsen und sich vom heilenden Licht Gottes bis in den letzten Winkel der Seele berühren zu lassen.

236 Warum können nur Priester Sünden vergeben?

Kein Mensch kann Sünden vergeben, es sei denn, er hätte einen Auftrag von Gott dazu und die von ihm geschenkte Macht, dass die Vergebung, die er dem Beichtenden zuspricht, wirklich geschieht. Dazu ist in erster Linie der Bischof bestellt – und dann seine Helfer, die geweihten Priester. [1461-1466, 1495]

Absolution (von lat. absolvere = loslösen, freisprechen): Die Absolution des Priesters ist die sakramentale Vergebung einer oder mehrerer Sünden nach dem Sündenbekenntnis eines Beichtenden. Die Absolutionsformel lautet: Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes.

237 Gibt es Sünden, die so schwer sind, dass nicht einmal ein normaler Priester davon freisprechen kann?

Es gibt Sünden, in denen sich der Mensch ganz von Gott abkehrt und sich zugleich wegen der Schwere der Tat die Exkommunikation zuzieht. Bei Sünden, die mit damit belegt sind, kann die Lossprechung nur durch den Bischof oder einen beauftragten Priester, in einigen Fällen sogar nur durch den Papst erfolgen. In Todesgefahr kann jeder Priester von allen Sünden und von der Exkommunikation lossprechen. [1463]

Ein Katholik, der beispielsweise einen Mord begeht oder bei einer Abtreibung mitwirkt, schließt sich automatisch aus der sakramentalen Gemeinschaft aus; die Kirche stellt diesen Zustand nur fest. Die Exkommunikation hat die Absicht, den Sünder zu bessern und wieder auf den richtigen Weg zu führen.

238 Darf ein Priester etwas weitererzählen, was er in der Beichte erfahren hat?

Nein, unter keinen Umständen. Das Beichtgeheimnis gilt absolut. Jeder Priester wäre exkommuniziert, würde er anderen Menschen irgendetwas mitteilen, was er in der Beichte erfahren hat. Auch der Polizei darf der Priester weder etwas sagen noch andeuten. [1467]

Kaum etwas nehmen Priester ernster als das Beichtgeheimnis. Es gibt Priester, die dafür Folter ertragen haben und in den Tod gegangen sind. Darum kann man rückhaltlos offen reden und darf sich mit großer Gelassenheit einem Priester anvertrauen, dessen einzige Aufgabe es in diesem Moment ist, ganz „Gottes Ohr“ zu sein.

239 Welche positiven Effekte hat eine Beichte?

Die Beichte versöhnt den Sünder mit Gott. [1468-1470, 1496]

Die Sekunde nach der Lossprechung ist wie – eine Dusche nach dem Sport, wie die frische Luft nach einem Sommergewitter, wie das Aufwachen an einem strahlenden Sommermorgen, wie die Schwerelosigkeit des Tauchers… Im Wort „Versöhnung“ (von: wieder [geliebter, angenommener] Sohn sein) ist alles enthalten: Wir sind wieder mit Gott im Reinen.


* YOUCAT deutsch. Jugendkatechismus der Katholischen Kirche, Pattloch Verlag GmbH & Co. KG, München, 2011.

Der Jugendkatechismus behandelt in jugendgemäßer Sprache das Ganze des katholischen Glaubens, wie er im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK von 1997) vorgelegt wurde, ohne die dort gegebene Vollständigkeit anzustreben. Das Werk ist in Frage-und-Antwort-Form aufgebaut und verweist in den Zahlen im Anschluss an die jeweilige Antwort auf die weiterführenden und vertiefenden Darlegungen im KKK. Ein sich daran anschließender Kommentar soll eine zusätzliche Hilfe zum Verständnis und zur existenziellen Bedeutung der behandelten Fragen geben.


 
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