Tetingen

Die St. Josephkirche in Tetingen

Tetingen gehörte während Jahrhunderten, bis 1873, zur Pfarrei Kayl, deren Ursprung wenigstens bis ins 8. Jahrhundert, wenn nicht sogar in die römische Zeit zurück reicht. Die Einwohner von Tetingen mussten an hohen Festtagen die Pfarrkirche auf dem Petersberg (heutiger Friedhof) in Kayl aufsuchen. Da der Weg beschwerlich und bei schlechtem Wetter nicht gangbar war, bauten sie eine eigene Kapelle. Der genaue Zeitpunkt ist nicht mehr feststellbar; wahrscheinlich war diese Kapelle eine Stiftung des Klosters Differdingen, denn dieses Kloster hatte das Patronatsrecht zu Kayl.

Die Muttergotteskapelle

Das erste Gotteshaus war der Muttergottes geweiht und trug den Titel „Beatae Maria Virginis". Der zweite Patron war der hl. Cyriacus. Die Kapelle wird erstmals 1570 erwähnt. Sie besaß einen Altar und einen zinnernen Kelch. 1629 bereits fehlte es der Kapelle am Notwendigsten für den Gottesdienst. Im Jahre 1653 (am 21. Oktober) gründete der damalige Pfarrer L. Thommen eine Bruderschaft zu Ehren der hl. Ursula. Ob die Kapelle schon vorher dieser Heiligen geweiht war und die Bruderschaft den Namen übernahm, ist nicht sicher. Jedenfalls heißt die Kirche von nun an „Ursulenkapelle“. Im Jahr 1764 wird die Kapelle aus den Fundamenten neu erbaut. Sie stand auf der „Knupp“ ungefähr auf der Höhe der heutigen Sakristei. Vom Ausmaß her war sie ca. 15,70 m lang und 7,35 m breit. Sie war von einem Friedhof umgeben.

Die Bruderschaft gab es bis zur Neuregelung der kirchlichen Angelegenheiten unter Napoleon.

Die Kapelle von 1857

Die Kapelle aus dem Jahr 1764 war 1851 fast zur Ruine geworden. Auch erforderte das ständige Wachsen der Bevölkerung, bedingt durch den beginnenden Minetteabbau, die Errichtung eines größeren Gotteshauses.

1854 beschliesst der Gemeinderat den Neubau. Am 8.Juni 1856 gewährt der Innenminister einen Subsid von 400 Franken zur Konstruktion der neuen Kirche.

Die Sankt-Josefkirche

Zählte Tetingen im Jahre 1857 kaum 400 Einwohner, so waren es deren schon 1400 im Jahre 1893. Wegen der raschen Bevölkerungszunahme legte 1893 Bischof Koppes den Tetingern ans Herz, eine größere Kirche zu bauen.

Architekt Alphonse Kemp aus Luxemburg konnte sich mit seinen Kirchenbauplänen gegen mehrere Bedenken des Staatsarchitekten Karl Arendt durchsetzen und bekam sogar vom kaiserlichen Baurat Tornow, Architekt und Erbauer der Kathedrale von Metz, Rückendeckung für sein baukünstlerisches Projekt.

Nach drei Beschlussfassungen der Gemeinde am 7. November 1895, am 17. Januar und am 27. März 1896 wurden am 11. August 1896 die Bauarbeiten öffentlich vergeben. Unternehmer waren Paul Ries aus Tetingen und Johann Wivenes aus Kayl. Im selben Jahr begann man mit dem Abriss der Kapelle aus dem Jahre 1857.

Um den damaligen Preis der Pfarrkirche herauszufinden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der Kostenpunkt war schon in dieser Zeit um über 30.600 Franken überschritten. Hinzu kamen noch Architektenkosten. Unternehmer Wivenes aus Kayl baute Empore und Treppe, der Unternehmer J.P. Ennen Mersch aus Luxemburg lieferte die Balustrade aus Schmiedeeisen.

Sicher ist, dass die Kirche weit über 100.000 Franken kostete, so wie es der Staatsarchitekt vorausgesehen hatte. Am 21.10.1897 konsekrierte Bischof Johannes-Joseph die neue Kirche, mit der die Tetinger eine schwere Schuld aufgenommen hatten.

Im Jahre 1950 wurden erste größere Reparaturen vorgenommen. Unter Pfarrer Léon Kayser, Bürgermeister Jos Mille und Architekt Willy Leurs aus Rümelingen wurden folgende Arbeiten ausgeführt: Verstärkung des Dachstuhles, neue Emportreppe, Sakristeibau, moderner Bodenbelag, Chromolith-Wandputz, Neueindeckung des Turmes, Einbau einer Turmuhr, Umgestaltung des Hochaltars, neue Glasfenster und moderner Kreuzweg.

Am 6. Februar 1955 konsekrierte Bischof-Koadjutor Léon Lommel den Hauptaltar der restaurierten Pfarrkirche. Am 7. April wurde auch die neue Orgel in Gegenwart des Bischofs eingeweiht. Die letzte Fassadenrenovierung fand ihren Abschluss mit der Beleuchtung derselben im Dezember 1997.

(Quelle: Tetingen – Gestern und Vorgestern von Jeannot Lunkes und François Schon)


 
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