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Ehe*2. Sakrament der Gemeinschaft und Sendung260 Warum hat Gott Mann und Frau füreinander bestimmt?Gott hat Mann und Frau füreinander bestimmt, damit sie „nicht mehr zwei, sondern eins“ sind (Mt 19,6): Auf diese Weise sollen sie die Liebe leben, fruchtbar sein und so zum Zeichen für Gott selbst werden, der nichts als überfließende Liebe ist. [1601-1605] 261 Wie kommt das Sakrament der Ehe zustande?Das Sakrament der Ehe kommt durch ein vor Gott und der Kirche abgelegtes Versprechen von Mann und Frau zustande, das von Gott angenommen und besiegelt und durch die körperliche Vereinigung des Paares vollzogen wird. Weil Gott selbst das Band der sakramentalen Ehe knüpft, bindet es bis zum Tod eines der beiden Partner. [1625-1631] Das Ehesakrament spenden sich Mann und Frau gegenseitig. Der Priester oder Diakon ruft den Segen Gottes auf das Paar herab. Er ist sonst nur der Zeuge, dass die Ehe unter den richtigen Bedingungen zustande kommt und das Versprechen umfassend und öffentlich abgelegt wird. Eine Ehe kann nur zustande kommen, wenn es einen Ehekonsens gibt, d. h., wenn Mann und Frau in Freiheit und ohne Furcht und Zwang die Ehe wollen und wenn sie nicht durch andere natürliche oder kirchliche Bindungen an einer Ehe gehindert sind (bereits bestehende Ehe, Zölibatsversprechen). 262 Was gehört notwendig zu einer christlich-sakramentalen Ehe?Zu einer sakramentalen Ehe gehören notwendig drei Elemente: a) das Jawort in Freiheit, b) die Bejahung einer lebenslänglichen, ausschließlichen Verbindung und c) die Offenheit für Kinder. Das Tiefste an einer christlichen Ehe ist aber das Wissen des Paares: Wir sind ein lebendiges Abbild der Liebe zwischen Christus und der Kirche. [1644-1654, 1664] Die Forderung der Einheit und Unauflöslichkeit richtet sich zunächst gegen die Polygamie, in der das Christentum einen fundamentalen Verstoß gegen die Liebe und die Menschenrechte sieht; sie richtet sich auch gegen das, was man „sukzessive Polygamie“ nennen könnte: eine Folge von unverbindlichen Liebesbeziehungen, die nicht zum einen, großen, nicht mehr revidierbaren „Ja“ finden. Die Forderung nach ehelicher Treue beinhaltet die Bereitschaft zu einer lebenslangen Bindung, die Liebesbeziehungen neben der Ehe ausschließt. Die Forderung nach Bereitschaft zur Fruchtbarkeit meint: Ein christliches Ehepaar ist offen für die Kinder, die Gott ihm schenken möchte. Paare, die kinderlos bleiben, sind von Gott gerufen, auf andere Weise „fruchtbar“ zu werden. Eine Ehe, in der eines dieser Elemente bei der Eheschließung ausgeschlossen wurde, kommt nicht zustande. 263 Warum ist die Ehe unauflöslich?Die Ehe ist dreifach unauflöslich. Einmal, weil es dem Wesen der Liebe entspricht, sich vorbehaltlos gegenseitig hinzugeben; dann, weil sie ein Abbild der bedingungslosen Treue Gottes zu seiner Schöpfung ist; und sie ist noch einmal unauflöslich, weil sie die Hingabe Christi an seine Kirche darstellt, die bis zum Tod am Kreuz ging. [1605, 1612-1617, 1661] In einer Zeit, in der vielerorts 50 Prozent aller Ehen geschieden werden, ist jede Ehe, die hält, ein großes Zeichen – zuletzt eines für Gott. Auf dieser Erde, auf der so vieles relativ ist, sollen Menschen an Gott glauben, der allein absolut ist. Darum ist alles Nichtrelative so wichtig: jemand, der absolut die Wahrheit sagt oder absolut treu ist. Absolute Treue in der Ehe bezeugt weniger die menschliche Leistung als die Treue Gottes, der auch dann noch da ist, wenn wir ihn in jeder Hinsicht verraten und vergessen. Kirchlich heiraten heißt: mehr auf Gottes Hilfe als auf den eigenen Vorrat an Liebe zu vertrauen. 264 Wodurch sind Ehen bedroht?Was Ehen wirklich bedroht, ist die Sünde; was sie erneuert, ist die Vergebung; was sie stark macht, ist das Gebet und das Vertrauen auf die Gegenwart Gottes. [1606-1608] Der Konflikt zwischen Männern und Frauen, der gerade in Ehen manchmal bis zum gegenseitigen Hass ausgetragen wird, ist kein Zeichen der Unvereinbarkeit der Geschlechter; auch gibt es keine genetische Disposition zur Untreue oder ein spezielles psychisches Hindernis für lebenslange Bindungen. Viele Ehen werden allerdings durch mangelnde Gesprächskultur und Achtsamkeit gefährdet. Hinzu kommen wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme. Die entscheidende Rolle spielt die Realität der Sünde: Eifersucht, Herrschsucht, Streitsucht, Begierde, Untreue und andere zerstörerische Kräfte. Darum gehören Vergebung und Versöhnung, auch in der Beichte, wesentlich in jede Ehe hinein. 265 Sind alle Menschen zur Ehe berufen?Nicht jeder ist zur Ehe berufen. Auch allein lebende Menschen können ein erfülltes Leben haben. Manchen von ihnen zeigt Jesus einen besonderen Weg; er lädt sie ein, „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12) ehelos zu leben. [1618-1620] Viele alleinlebende Menschen leiden unter ihrer Einsamkeit, begreifen sie nur als Mangel und Nachteil. Doch ein Mensch, der nicht für einen Ehepartner oder eine Familie sorgen muss, genießt auch Freiheit und Unabhängigkeit, und er hat Zeit, sinnvolle und wichtige Dinge zu tun, zu denen ein Verheirateter nie käme. Vielleicht ist es Gottes Wille, dass er für Menschen sorgen soll, um die sich sonst niemand Sorgen macht. Nicht selten beruft Gott einen solchen Menschen sogar in seine besondere Nähe. Das ist dann der Fall, wenn man in sich den Wunsch verspürt, „um des Himmelreiches willen“ auf einen Partner zu verzichten. Berufung darf im Christentum allerdings nie heißen, Ehe oder Sexualität zu verachten. Freiwillige Ehelosigkeit kann nur in und aus Liebe gelebt werden, als ein mächtiges Zeichen dafür, dass Gott wichtiger als alles ist. Der Ehelose verzichtet auf die sexuelle Beziehung, aber nicht auf Liebe; er geht voll Sehnsucht Christus, dem kommenden Bräutigam (Mt 25,6), entgegen. 266 Wie wird die kirchliche Trauung gefeiert?Eine Trauung muss in der Regel öffentlich geschehen. Die Brautleute werden nach ihrem Ehewillen gefragt. Der Priester oder der Diakon segnet die Ringe. Die Brautleute tauschen die Ringe aus und versprechen sich gegenseitig „die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet“, und geloben einander: „Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“ Der Zelebrant bestätigt die Vermählung und spendet den Segen. [1621-1624, 1663] Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein. Der Herr soll mir dies und das antun – nur der Tod wird mich von dir scheiden. (Rut 1,16-17) Auf folgende Weise fragt die Kirche im Trauritus zuerst den Bräutigam, dann die Braut: Zelebrant: „N., ich frage Sie: Sind Sie hierhergekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss mit Ihrer Braut N./Ihrem Bräutigam N. den Bund der Ehe zu schließen?“ Bräutigam/Braut: „Ja.“ Zelebrant: „Wollen Sie Ihre Frau/Ihren Mann lieben und achten und ihr/ihm die Treue halten alle Tage ihres/seines Lebens?“ Bräutigam/Braut: „Ja.“ Die folgenden Fragen richtet der Zelebrant an beide Brautleute gemeinsam. Zelebrant: „Sind Sie beide bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott Ihnen schenken will, und sie im Geist Christi und seiner Kirche zu erziehen?“ Braut und Bräutigam: „Ja.“ Zelebrant: „Sind Sie beide bereit, als christliche Eheleute Mitverantwortung in der Kirche und in der Welt zu übernehmen?“ Bräutigam und Braut: „Ja.“ 267 Was ist zu tun, wenn ein Katholik einen nichtkatholischen Christen heiraten möchte?Für die Trauung ist eine kirchliche Zustimmung einzuholen. Eine sogenannte gemischtkonfessionelle Ehe erfordert nämlich von beiden Partnern eine besondere Treue zu Christus, damit sich der nicht behobene Skandal der Spaltung der Christenheit nicht im Kleinen fortsetzt und vielleicht sogar zur Aufgabe der Glaubenspraxis führt. [1633-1637] 268 Kann ein katholischer Christ auch einen Partner aus einer anderen Religion heiraten?Für katholische Gläubige kann es für den eigenen Glauben und den der künftigen Kinder schwierig sein, mit einem Partner eine Ehe zu schließen und zu führen, der einer anderen Religion angehört. Aus Verantwortung für die Gläubigen hat die Katholische Kirche daher das Ehehindernis der Religionsverschiedenheit aufgestellt. Eine solche Ehe kann deshalb nur gültig geschlossen werden, wenn vor der Eheschließung von diesem Hindernis befreit (dispensiert, Dispens) wird. Sie ist nicht sakramental. [1633-1637] Eine Dispens (mittellat. dispensare = Freiheiten gewähren) ist im katholischen Kirchenrecht eine Befreiung von einem kirchlichen Gesetz. Zuständig ist der Bischof oder der Apostolische Stuhl. * YOUCAT deutsch. Jugendkatechismus der Katholischen Kirche, Pattloch Verlag GmbH & Co. KG, München, 2011. Der Jugendkatechismus behandelt in jugendgemäßer Sprache das Ganze des katholischen Glaubens, wie er im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK von 1997) vorgelegt wurde, ohne die dort gegebene Vollständigkeit anzustreben. Das Werk ist in Frage-und-Antwort-Form aufgebaut und verweist in den Zahlen im Anschluss an die jeweilige Antwort auf die weiterführenden und vertiefenden Darlegungen im KKK. Ein sich daran anschließender Kommentar soll eine zusätzliche Hilfe zum Verständnis und zur existenziellen Bedeutung der behandelten Fragen geben. |
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