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Weihe*1. Sakrament der Gemeinschaft und Sendung249 Was geschieht in der Weihe?Wer geweiht wird, empfängt eine Gabe des Heiligen Geistes, die ihm eine heilige Vollmacht gibt und von Christus durch den Bischof verliehen wird. [1538] Priester sein bedeutet nicht nur eine Funktion oder ein Amt übernehmen. Durch die Weihe bekommt ein Priester eine bestimmte Kraft und eine Sendung für seine Geschwister im Glauben geschenkt. 250 Wie versteht die Kirche das Weihesakrament?Die Priester des Alten Bundes sahen ihre Aufgabe in der Vermittlung zwischen dem Himmlischen und dem Irdischen, zwischen Gott und seinem Volk. Da Christus der einzige „Mittler zwischen Gott und den Menschen“ (1 Tim 2,5) ist, hat er dieses Priestertum vollendet und beendet. Nach Christus kann es ein Weihepriestertum nur noch in Christus geben, in Christi Opfer am Kreuz und durch Christi Berufung und apostolische Sendung. [1539-1553, 1592] Ein katholischer Priester, der die Sakramente spendet, handelt nicht aus eigener Kraft oder aus moralischer Vollkommenheit heraus (die er oft leider nicht hat), sondern „in persona Christi“. Durch seine Weihe wächst ihm die verwandelnde, heilende, rettende Kraft Christi zu. Weil ein Priester nichts aus sich hat, ist er vor allem ein Diener. Das Erkennungszeichen jedes echten Priesters ist daher demütiges Staunen über seine eigene Berufung. 251 Welche Stufen hat das Weihesakrament?Das Weihesakrament hat drei Stufen: Bischof (Episkopat), Priester (Presbyterat), Diakon (Diakonat). [1554, 1593] 252 Was geschieht in der Bischofsweihe?In der Bischofsweihe wird einem Priester die ganze Fülle des Weihesakramentes übertragen. Er wird zu einem Nachfolger der Apostel geweiht und tritt in das Kollegium der Bischöfe ein. Zusammen mit den anderen Bischöfen und dem Papst ist er von nun an für die gesamte Kirche verantwortlich. Insbesondere bestellt ihn die Kirche für die Ämter des Lehrens, der Heiligung und des Leitens. [1555-1559] Das Bischofsamt ist das eigentliche Hirtenamt in der Kirche, denn es geht auf die Urzeugen Jesu, die Apostel, zurück und führt das von Christus eingesetzte Hirtenamt der Apostel weiter. Auch der Papst ist ein Bischof, aber der Erste unter ihnen und das Haupt des Kollegiums. 253 Wie wichtig ist für einen katholischen Christen sein Bischof?Ein katholischer Christ fühlt sich seinem Bischof verpflichtet; der Bischof ist auch für ihn als Stellvertreter Christi bestellt. Zudem ist der Bischof, der mit den Priestern und Diakonen als seinen geweihten Helfern das Hirtenamt ausübt, das sichtbare Prinzip und das Fundament der Ortskirche (Bistum oder Diözese). [1560-1561] 254 Was geschieht in der Priesterweihe?In der Priesterweihe ruft der Bischof die Kraft Gottes auf den Weihekandidaten herab. Sie prägt diesen Menschen mit einem unauslöschlichen Siegel, um ihn nie mehr zu verlassen. Als Mitarbeiter seines Bischofs wird der Priester das Wort Gottes verkündigen, die Sakramente spenden und vor allem die heilige Eucharistie feiern. [1562-1568] Während der Heiligen Messe beginnt die eigentliche Priesterweihe mit dem namentlichen Aufruf der Kandidaten. Nach der Predigt des Bischofs verspricht der künftige Priester dem Bischof und seinen Nachfolgern Gehorsam. Die eigentliche Weihe geschieht durch Handauflegung des Bischofs und sein Gebet. 255 Was geschieht in der Diakonenweihe?In der Diakonenweihe wird der Kandidat zu einem eigenen Dienst innerhalb des Weihesakramentes bestellt. Denn er repräsentiert Christus als den, der nicht gekommen ist, „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). In der Weiheliturgie heißt es: „Im Dienst des Wortes, des Altares und der Liebe ist der Diakon für alle da.” [1569-1571] Der Diakon (griech. diakonos = Diener) ist die erste Stufe im Weihesakrament der Katholischen Kirche. Wie der Name schon sagt, engagiert sich ein Diakon vor allem im karitativen Bereich (Diakonie), jedoch unterrichtet er auch, betreibt Katechese, verkündet das Evangelium, predigt in der Messe und assistiert im Gottesdienst. Urbild des Diakons ist der hl. Märtyrer Stephanus. Als die Apostel in der Jerusalemer Urgemeinde sich durch die vielen karitativen Aufgaben überfordert sahen, bestellten sie sieben Männer „für den Dienst an den Tischen“, die von ihnen dann geweiht wurden. Stephanus, der erstgenannte, wirkte „voll Gnade und Kraft“ für den neuen Glauben wie für die Armen der Gemeinde. Nachdem der Diakon über Jahrhunderte nur eine Weihestufe auf dem Weg ins Priesteramt war, ist er heute auch wieder eine eigenständige Berufung für zölibatär Lebende wie für Verheiratete. Zum einen soll damit der dienende Charakter der Kirche neu betont werden, zum anderen wollte man wie in der Urkirche den Priestern einen Stand zur Seite geben, der besondere pastorale und soziale Aufgaben der Kirche übernimmt. Auch die Diakonatsweihe prägt den Geweihten lebenslang und unwiderruflich. 256 Wer kann das Weihesakrament empfangen?Gültig zum Diakon, Priester und Bischof geweiht werden kann ein getaufter, katholischer Mann, der von der Kirche für dieses Amt berufen wird. [1577-1578] 257 Wertet es Frauen ab, dass nur Männer das Weihesakrament empfangen dürfen?Die Bestimmung, dass nur Männer die heiligen Weihen empfangen dürfen, ist keine Abwertung der Frau. Vor Gott haben Mann und Frau gleiche Würde, aber sie haben verschiedene Aufgaben und Charismen. Die Kirche sieht sich daran gebunden, dass Jesus bei der Einsetzung des Priestertums im Abendmahl ausschließlich Männer wählte. Papst Johannes Paul II. erklärte 1994, dass „die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“. Wie kein anderer Mensch der Antike hat Jesus Frauen provozierend aufgewertet, ihnen seine Freundschaft geschenkt und sie in Schutz genommen. Frauen waren in seinem Gefolge, und Jesus schätzte ihren Glauben hoch. Immerhin ist die erste Auferstehungszeugin eine Frau. Deshalb wird Maria Magdalena „Apostolin der Apostel“ genannt. Dennoch wurde das Weihepriestertum und Hirtenamt immer Männern übertragen. Im männlichen Priester sollte die Gemeinde Jesus Christus repräsentiert finden. Das Priestersein ist ein besonderer Dienst, der den Mann auch in seiner männlich-väterlichen Geschlechterrolle in Anspruch nimmt. Es ist jedoch keine Form männlicher Überordnung über Frauen. Frauen spielen in der Kirche, wie wir an Maria sehen, eine Rolle, die nicht weniger zentral ist als die männliche, aber es ist eine weibliche Rolle. Eva wurde die Mutter aller Lebendigen (Gen 3,20). Als „Mütter aller Lebendigen“ haben Frauen besondere Gaben und Fähigkeiten. Ohne ihre Weise der Lehre, Verkündigung, Caritas, Spiritualität und Seelsorge wäre die Kirche „halbseitig gelähmt“. Wo immer Männer in der Kirche den priesterlichen Dienst als Machtinstrument benutzen oder Frauen mit den ihnen eigenen Charismen nicht zum Zug kommen lassen, verstoßen sie gegen die Liebe und den Heiligen Geist Jesu. 258 Warum verlangt die Kirche von Priestern und Bischöfen ein zölibatäres Leben?Jesus lebte zölibatär und wollte damit seine ungeteilte Liebe zu Gott, dem Vater, zum Ausdruck bringen. Die Lebensform Jesu zu übernehmen und „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12) in eheloser Keuschheit zu leben ist seit den Zeiten Jesu ein Zeichen der Liebe, der ungeteilten Hingabe zum Herrn und der völligen Bereitschaft zum Dienst. Die römisch-katholische Kirche verlangt diese Lebensweise von ihren Bischöfen und Priestern, die katholischen Ostkirchen nur von ihren Bischöfen. [1579-1580, 1599] Der Zölibat (von lat. caelebs = alleine lebend) ist die Selbstverpflichtung eines Menschen, „um des Himmelreiches willen“ ehelos zu leben. In der Katholischen Kirche leben dieses Versprechen vor allem Menschen in Ordensgemeinschaften (Ordensgelübde) sowie im Klerus (Zölibatsversprechen). Zölibat, so sagt Papst Benedikt, kann nicht bedeuten, „in der Liebe leer zu bleiben, sondern muss bedeuten, sich von der Leidenschaft für Gott ergreifen zu lassen“. Ein Priester soll als zölibatär Lebender darin fruchtbar sein, dass er die Väterlichkeit Gottes und Jesu repräsentiert. Weiter sagt der Papst: „Christus braucht Priester, die reif und mannhaft sind, fähig, eine wahre geistliche Vaterschaft auszuüben.“ 259 Wodurch unterscheidet sich das allgemeine Priestertum aller Gläubigen vom Weihepriestertum?Durch die Taufe hat uns Christus zu einem Reich von „Priestern vor Gott seinem und Vater“ (Offb 1,6) gemacht. Durch das allgemeine Priestertum ist jeder Christ berufen, im Namen Gottes in der Welt zu wirken und ihr Segen und Gnade zu vermitteln. Im Abendmahlssaal und bei der Sendung der Apostel hat Christus aber einige mit einer heiligen Vollmacht zum Dienst an den Gläubigen ausgestattet; diese geweihten Priester vertreten Christus als Hirte seines Volkes und als Haupt seines Leibes, der Kirche. [1546-1553, 1592] Das gleiche Wort, nämlich Priester, für zwei verwandte, aber „dem Wesen und nicht bloß dem Grad nach“ (Zweites Vatikanisches Konzil, LG) verschiedene Dinge führt häufig zu Missverständnissen. Einerseits müssten wir voller Freude wahrnehmen, dass wir Getauften alle „Priester“ sind, weil wir in Christus leben und an allem teilhaben, was er ist und tut. Warum also rufen wir nicht permanent Segen auf diese Welt herab? Andererseits müssen wir das Geschenk Gottes an seine Kirche, die geweihten Priester, die den Herrn selbst unter uns repräsentieren, neu entdecken. * YOUCAT deutsch. Jugendkatechismus der Katholischen Kirche, Pattloch Verlag GmbH & Co. KG, München, 2011. Der Jugendkatechismus behandelt in jugendgemäßer Sprache das Ganze des katholischen Glaubens, wie er im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK von 1997) vorgelegt wurde, ohne die dort gegebene Vollständigkeit anzustreben. Das Werk ist in Frage-und-Antwort-Form aufgebaut und verweist in den Zahlen im Anschluss an die jeweilige Antwort auf die weiterführenden und vertiefenden Darlegungen im KKK. Ein sich daran anschließender Kommentar soll eine zusätzliche Hilfe zum Verständnis und zur existenziellen Bedeutung der behandelten Fragen geben. |
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