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Der Glaube von ... Debora

Der Glaube von Debora

„Dann hatte das Land vierzig Jahre lang Ruhe“ (Ri 5, 31)

Zur „Zeit der Richter“, ungefähr zwischen 1200 und 1000 vor Christus, bildete Israel noch kein Volk. Eine Reihe isolierter Stämme hatten sich auf kanaanäischem Gebiet niedergelassen. Die Verbindung zwischen ihnen ist locker. Fortwährend durch die Fremdvölker gefährdet, knüpfen sie kleine, zeitlich begrenzte Bündnisse zu ihrer gegenseitigen Verteidigung [1]. Die unterschiedlichen, im Land angesiedelten Stämme, werden durch „Richter“ geführt. Ihre Aufgabe ist es, für das Wohl des Volkes zu sorgen, und das Recht, in einem weitläufigen Wortsinn, wieder herzustellen, wenn dieses mit Füßen getreten wird. Sie greifen ein in die politischen, militärischen und geistigen Bereichen der Stämme.

Unter ihnen finden wir Debora [2], eine Prophetin [3], Frau des Lappidot (Ri 4,4). Von Gott berufen, um in seinem Namen zu sprechen, genoss sie ein hohes Ansehen beim Volk, „denn die Israeliten kamen zu ihr hinauf, um sich Recht sprechen zu lassen“ (4,5). Die Kapitel 4 und 5 des Richterbuches präsentieren die Gestalt der Debora als eine Befreierin des Volkes. Das Deboralied [4] (Kapitel 5) ist eines der ersten Zeugnisse eines Bündnisses der Stämme in den Anfängen Israels. Es handelt sich um einen Gründungsmoment. Sechs Stämme [5] beteiligen sich an der Schlacht von Tabor, nahe bei Megiddo, auf der Suche nach ihrer Befreiung von der Macht des Unterdrückers von Hazor (königliche Stadt der Kanaaniter), die bereits seit 20 Jahren andauert (4,3).

In der Tat bedrohten die Kanaaniter, die ihre Herrschaft über die Region ausweiteten, um das Jahr 1125 v. Chr. die Stämme, indem sie die gesamte Jesreel-Ebene in Besitz nahmen. Jabin, der König von Kanaan, der auch in Hazor regierte, lagerte zusammen mit seiner mächtigen Armee, die von Sisera befehligt wurde (4,2. 23f). Die Streitmacht der Feinde ist viel zu groß für die Israeliten: Sisera besitzt, neben einer Vielzahl von Infanteristen, neunhundert eiserne Kampfwagen (4,13). Entgegen des großen Ungleichgewichts der Kräfte, teilt Debora Barak, einem anderen Richter Israels, den Auftrag Gottes mit, sich an dem Krieg gegen Jabin und Sisera mit zehntausend Männern zu beteiligen. Sie versichert ihm Unterstützung und göttlichen Schutz (4,6-7). Barak verlangt seinerseits, dass Debora ihn in den Krieg begleitet (4,8). Am Tag der Schlacht greift Jahwe zugunsten seines Volkes ein, vermutlich dank eines wolkenbruchartigen Regenfalls, durch den die Streitwagen im Schlamm stecken bleiben und die feindliche Truppe ins Chaos gestürzt wird (5,4. 21). Die Stämme Israels tragen einen ruhmreichen Sieg davon (4,15), sie erlangen die Freiheit wieder und kehren zurück zu einer Zeit des Friedens, die vierzig Jahre andauert, eine Zahl, die auch ihre Festigung als Volk symbolisieren kann (5,3; vgl. Ex 16,35; Dtn 2,7; Jos 5.6).

An der Seite Deboras nimmt noch eine andere Frau an dem Sieg teil: es handelt sich um Jaël, die Frau des Keniters Heber. Diese bietet Sisera, dem Heerführer der Armee der Kanaaniter, der nach der vernichtenden Niederlage auf Freundschaftsgebiet geflohen ist, durch eine List ihre Gastfreundschaft an. Da zwischen Heber und Jabin, dem König Kanaans (4,17), Frieden herrscht, lässt sich Sisera im Zelt Jaëls nieder, ohne den Verrat zu ahnen. Nach dem Beispiel Rahabs von Jericho [6], ergreift Jaël Partei für Israel (Jos 2,1 ff.) und tötet den Heerführer (4,21). So zerstört sie auch endgültig die Macht Hazors (Ri 4,24). Daher ist Jaël „gepriesen unter den Frauen“ (Ri 5, 24-27). Durch ihre Handlung ist sie auch Vorfahrin Judits (vgl. Jdt 13), einer anderen „Schlüssel-Frau“ in der Geschichte Israels.

Daher singt Debora ihr Siegeslied [7], das an jenes der Mirjam nach der Vernichtung der Ägypter am roten Meer erinnert (Ex 15,21). Anhand dieses Liedes, ältester Beleg für den Namen Jahwe, interpretiert Debora die Ereignisse und erklärt sie von ihrem Glauben an Jahwe, den Herrn, ausgehend, der die Geschichte seines Volkes begleitet. Gleichzeitig rühmt sie die Stämme, die sich darauf eingelassen haben, ihrem Aufruf zu folgen und die sowohl ihr Vertrauen gewährt haben, als auch dem Wort Gottes, das sie prophezeit hat. Sie versäumt nicht, die vier Stämme zu tadeln, die ihrem Aufruf nicht gefolgt sind. Ihre prophetische Stimme richtet sich an die Könige und Anführer, um deren Aufmerksamkeit auf den schlechten Zustand des Landes zu richten. Als „Mutter Israels“ (5,7), wie ein zweiter Mose, befreit Debora ihr Volk; als die Israeliten wieder unterjocht werden und ihre Vernichtung droht, werden sie aus der Hand ihrer Unterdrücker befreit, dank der mutigen und hellsichtigen Tat einer Frau, nach dem Vorbild des großen befreienden Heldenepos des Auszugs aus Ägypten (Ex 13,21). Die Panik der kanaanitischen Feinde, die den Sieg ermöglicht, erinnert ebenfalls an den ersten Auszug mit Mose (Ex 14,24).

In der Gewissheit, den Willen Gottes zu verkünden und zu erfüllen, erhebt sich Debora, und, voll Vertrauen und Mut, hat sie ihrem Volk geholfen, aus der Unterdrückung zu entkommen. Ihr unerschütterlicher Glaube stützt sie gegenüber einem furchterregenden Gegner und festigt sie in einem Milieu, das von Männern beherrscht wird. Im Gegensatz zu vorhandenen Vorstellungen, zeigt das Eingreifen von Debora und der Ausländerin Jaël, dass Gott auch Frauen als Werkzeuge der Befreiung seines Volkes erwählt (vgl. 4,9). Diese beiden Frauen sind für uns heute Vorbilder des Glaubens und befreienden Engagements in der Welt. Es geht nicht darum, die Gewalt gutzuheißen, die Teil ihres Handelns ist, sondern durch diese schreckliche Realität hindurch zu erkennen, dass Gott unsere Geschichte begleitet und uns die Freiheit lässt, diese zu schreiben.

Fragen:

 Warum kann man von Debora als einem „neuen Mose“ sprechen? Welche Parallelen können wir zwischen diesen beiden Figuren feststellen?
 Wie kann die Figur der Debora unsere heutigen christlichen Gemeinschaften zu einem befreienden Engagement inspirieren?

 
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