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Ich habe dich geheiligt zum Prophet für die Völker

Die prophetische Berufung der Christen in der Gesellschaft

„Ich habe dich geheiligt zum Prophet für die Völker“
Die prophetische Berufung der Christen in der Gesellschaft

Prophetentext Jeremia 1,4-10

Fragen zur Lektüre in Gemeinschaft

  • Welcher Satz erstaunt mich oder spricht mich besonders an? Warum?
    • An wen wendet sich das Wort des Herrn?
    • Wie reagiert der Prophet auf den Anruf des Herrn?
    • Wie stärkt der Herr seinen Propheten?
    • Welchen Auftrag gibt der Herr seinem Propheten?

Zum besseren Verständnis von Jeremia 1,4-10

Nach dem Tod des Königs Joschija (609 v. Chr.) setzte eine Zeit des Niedergangs des Königreichs von Juda ein: zuerst beherrscht von Ägypten, dann von Babylonien, war das Land verwüstet, und das Volk endete deportiert nach Babylon oder als Flüchtling in Ägypten. Denn die Machtkämpfe wurden begleitet von sozialer Ungerechtigkeit und Korruption deren Folge der Fall Jerusalems 586 v. Chr. und die Deportation des Volkes waren. Unter diesen Umständen macht das Wort des Jeremia Politik. Er fürchtet sich nicht davor, die „ägyptische Nostalgie“ der Führenden anzuprangern: sie erlaubt ihnen, die Ungerechtigkeiten für ihren Profit aufrechtzuerhalten, was ihren Nationalismus gegen Babylon schlecht verdeckt. Die Bekehrung ist die einzige Hoffnung, aber sie wird nicht stattfinden...

In diesem schwierigen Zusammenhang also, wird der Prophet Jeremia vom Herrn dazu aufgerufen, sein Sprachrohr inmitten seines Volkes zu werden (V. 5). Diese prophetische Berufung ist von dem, der berufen wird, nicht einfach anzunehmen. Er ist sich seiner Schwachheit bewusst, er hat Angst und versucht zu fliehen (V. 6); aber der Herr akzeptiert keine Ausreden und zwingt ihn, seinen Auftrag anzunehmen: angesichts der Gewissheit der Unterstützung des Herrn ist seine Jugend keineswegs ein Handikap (Vv. 7-8). Der Prophet wird daher jener, der im Namen des Herrn, inmitten der Völker gesetzt wird, um „auszureißen und niederzureißen, zu vernichten und einzureißen, aufzubauen und einzupflanzen“ (V. 10). Sein Wort, Ausdruck der Sicht des Herrn, wird hart sein, es wird das Schlechte anprangern und das Unheil ankündigen, das aus den Unterschlagungen resultiert. Dies ist ein zwangsläufiger Durchgang um „aufzubauen und einzupflanzen“: das Leben und die Zukunft stehen auf dem Spiel.

Gestärkt durch diese Berufung, wird er zu einem zentralen Akteur im Leben seines Volkes. Sein freies Wort wird für das Volk zur Quelle des Unverständnisses werden (37,11-16) und zur Verfolgung bis hin zum Gefängnis (Kapitel 36) und dem Riskieren seines Lebens (Kapitel 26) führen. Seine Stimme wird so manches Mal hochgehalten werden, um die Fürsten und das Volk zur Umkehr zu ermahnen, ihre Untaten anzuprangern und ihnen die verhängnisvollen Folgen ihrer ungerechten und wider den Bund gerichteten Verhaltensweisen anzukündigen.

Gaudium et Spes 43 im Licht von Jeremia 1,4-10

Fragen zum Leben in der Gemeinschaft:

  • Welcher Satz erstaunt mich oder spricht mich besonders an? Warum?
    • Wie beleuchtet dieser Text Jeremia 1,4-10?
    • Inwiefern spricht dieser Text unsere heutigen christlichen Gemeinschaften an?

Aktualisierung

Das Konzil erinnert in der Kirchenkonstitution an die prophetische Berufung der Christen (LG 31); diese Berufung bleibt nicht ohne praktische Folgen für das Leben in der Gesellschaft. Denn alle Christen, jeden Alters und aller sozialer Klassen, sind, wie die Propheten Israels, auch heute von Gott dazu aufgerufen, sein Sprachrohr zu werden. Niemand kann diesen Aufruf missachten, unter dem Vorwand irgendeiner „spirituellen“ Berufung, ausgerichtet allein auf den Kult und die individuellen moralischen Verpflichtungen. Der Christ ist dazu aufgerufen, sich bei der Aufgabe, der Veränderung der Welt gemäß dem Plan des menschenfreundlichen Gottes, voll einzubringen.

Für die Konzilsväter, ist die „Spaltung zwischen dem Glauben und dem täglichen Leben eine der schweren Verirrungen unserer Zeit“ und wie „ein Ärgernis“ , das schon von den Propheten angeprangert worden war. In diesem Sinne ist es selbstverständlich, dass der Jünger Christi, der gekommen ist, um die frohe Botschaft von der Befreiung zu verkünden (Lk 4,14ff.), und der uns daran erinnert, dass das einzige Gericht sich auf die Solidarität mit jenen, die leiden, bezieht (Mt 25,31ff.), kein von seinen Zeitgenossen verschiedenes Schicksal haben kann: seine Nächstenliebe muss Politik machen, das heißt, sie muss sich herauskristallisieren im gemeinsamen Bemühen, zusammen mit allen Menschen guten Willens, „um eine neue politisch-rechtliche Ordnung zu schaffen, in der die Rechte der menschlichen Person im öffentlichen Leben besser geschützt sind“ . Die prophetische Verteidigung der „Rechte der Person“ bleibt ein unauslöschliches Merkmal im politischen Engagement der Christen ( Gaudium et Spes 73 ).

 
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