Paroisses
 

Festtage in Ellingen

Festtage in Ellingen im Wandel der Zeit
(Quelle: Privatarchiv RG / Pfarrarchiv )

(© Raymond Goedert)

Der liturgische Kalender enthält die Ordnungen für die Feier des Kirchenjahres. Es gibt den Generalkalender, mit den für den ganzen römischen Ritus geltenden Angaben und es gibt den Eigenkalender, mit den für eine Teilkirche geltenden Angaben.

Jede Pfarrei und jede Kirche hat ihren eigenen liturgischen Kalender. Der Kalender einer Pfarrei enthält die Feier der Schutzheiligen und des Kirchweihfestes der Kirche; außerdem solche Heiligen und Seligen, die zur Pfarrei eine besondere Beziehung haben. Die Eigenfeiern sind organisch mit der Ordnung des Generalkalenders verknüpft; dabei ist die im Verzeichnis der liturgischen Tage angegebene Aufstellung und Rangfolge maßgebend.
So hat auch, die 1803 gegründete Pfarrei Ellingen, ihren liturgischen Eigenkalender. Die beiden Schutzheiligen der Pfarrei und der Pfarrkirche von Ellingen sind der hl. Lambertus und der hl. Celsus. Einige Dokumente bezeugen eine Verehrung beider Heiligen schon zurzeit als Ellingen noch eine Filiale der Mutterpfarrei Dalheim war. (Bis 1795 lag Ellingen in der Erzdiözese Trier, Archidiakonat Tholey/Saar, Dekanat Remich, Urpfarrei Dalheim.)
Bis in unsere Tage sind beide Heiligen nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgt eine lebendige Dorf- und Pfarrgemeinschaft.

Der hl. Lambertus, Hauptpatron von Ellingen

Der Hauptpatron der Ellinger Pfarrkirche ist der hl. Märtyrer Lambertus, Bischof von Maastricht / Lüttich (+705). Der Lütticher Bischof war auch ein Freund des hl. Willibrords.

(© Raymond Goedert)

Das Fest des Schutzheiligen Lambertus reicht bis in jene Zeiten zurück, in denen Ellingen sein erstes Dorfheiligtum errichtete (alte Kirche auf dem Friedhof). Schon 1570 wird seine Verehrung in Ellingen bezeugt. Da die Abteien von Echternach und St. Maximim von Trier bereits im frühen Mittelalter Lehnrechte in Ellingen ausübten, darf man annehmen, dass eine von ihnen schon um diese Zeit den Kult des hl. Lambertus in Ellingen einführte.

Als 1871 das altehrwürdige Kirchlein durch eine größere Kirche ersetzt wurde, da behielten die Ellinger in treuer Dankbarkeit den alten, bewährten Helferheiligen bei. Über dem Portal der heutigen Pfarrkirche steht das Chronogramm von 1871: qVotIDIe sanCtI LaMbertI sVb tVteLa sInt CLIentes: den Schutzbefohlenen sei die tägliche Fürsorge des heiligen Lambertus gewährt.

In der Kirche selbst steht auf dem rechten Nebenaltar in der mittleren Nische die Statue des hl. Lambertus, ein Frühwerk von Nicolas Greeff. Sie dürfte um 1712 entstanden sein, ebenfalls das Antependium des Hauptaltars mit dem hl. Lambertus.

Ein weiteres Zeichen der Verehrung des hl. Lambertus bezeugt auch das Reliquiar mit den Reliquien des hl. Lambertus. Pfarrer Guillaume Pierre schreibt dazu im Ellinger Kirchenregister: „Im Jahre 1909 fand in Lüttich eine Weltausstellung statt, ich benutzte diese Gelegenheit um die Ausstellung zu besuchen, zu gleich auch eine Wallfahrt zu machen zum Grabe des hl. Lambertus, Patron unserer Kirche. Ich machte auch ans bischöfliche Ordinariat in Lüttich ein Gesuch um eine Reliquie des hl. Lambertus zu erhalten. Meine Bitte wurde gewährt. Ich erhielt eine schöne Reliquie. Ich kaufte auch ein Reliquiar; es kostet mit Einfassung 90.- Franken. Eine Kollekte ergab 42.- Franken.“

(© Raymond Goedert)

Die Verehrung des hl. Lambertus spiegelte sich auch wieder, dass im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine Glocke dem hl. Lambertus geweiht gewesen war.

Noch heute findet um den 18. September, dem Festtag des hl. Lambertus, die traditionelle Lambertus - Prozession statt. Es ist die „kleng Kiirmes“, welche an zwei Wochenenden gefeiert wird. An einem Sonntag findet die Prozession statt und am darauf folgenden Sonntag das regional bekannte „Ellénger Quetschefest“, das jedes Jahr Mitte September stattfindet.
„Allerdings“, so schrieb E. Donckel, „ist die Lambertus – Prozession nur mehr ein schwacher Abglanz von ehedem, als auch von auswärts zahlreiche Pilger kamen, um ihm ihr Federvieh anzuvertrauen. Es muss ähnlich gewesen sein, wie in Lambertberg (Waxweiler), wo ein besonderer Raum in dem Heiligtum für geopfertes Geflügel vorhanden war.“

In der Regel ging in Ellingen die Lambertus – Prozession zu den Hauskapellen der Familien Neu, Faber - Krier und Frantz und in manchen Jahren zusätzlich zum Pfarrhaus oder zur Friedhofkapelle (alte Pfarrkirche). Die Vorbereitungen waren ähnlich wie an Fronleichnam. Deshalb sei hier nur erwähnt, dass an Stelle der Statue des „hl. Celsus“ im September die Statue des „hl. Lambertus“ in der Prozession von jugendlichen Messdienern getragen wird. Der Sockel der Statue des „hl. Lambertus“ wird jedes Jahr mit zahlreichen „Quetschen an Quetschenäscht“ geschmückt.

(© Raymond Goedert)

Da zurzeit die „Lambertus – Prozession“ die einzige Sakramentsprozession in Ellingen ist, geht in einem Jahr die Prozession zu den Hauskapellen der Familien Neu, Faber - Krier und Scholer und im folgenden Jahr zu den Hauskapellen Neu, Faber - Krier und Frantz.

Erwähnenswert ist auch, dass die Feuerwehr von Ellingen bei der Firma Bernard in Luxemburg einen neuen schönen Sakramentshimmel gekauft hatte, welcher während dem Hochamt vom 11. September 1966 gesegnet wurde und so der Pfarrei Ellingen feierlich übergeben wurde. Am darauf folgenden Sonntag, dem 18. September 1966 gelegentlich der Lambertus – Prozession wurde der neue Sakramentshimmel mit Stolz von Feuerwehrmänner aus Ellingen getragen.

(© Raymond Goedert)

Der hl. Celsus, zweiter Patron von Ellingen

Der zweite Patron der Pfarrei und Pfarrkirche ist der hl. Märtyrer Celsus, Bischof von Trier und Tongern. Das Datum der Festtage des hl. Celsus änderte oft und verrät damit, dass er nicht einheitlich im Proprium der Erzdiözese Aufnahme fand. Sein Sterbetag war wahrscheinlich der 4. Januar 142. Seine Verehrung in Ellingen wurde schon 1745 bezeugt: „Pilger aus den Nachbarpfarreien kommen mit ihren Gebeten und Anliegen nach Ellingen, um am Fest des heiligen Celsus teilzunehmen.“

Der Festtag vom 23. Februar, der Tag der Auffindung der Reliquien des hl. Celsus 978, ist in Ellingen in Vergessenheit geraten. Dagegen ist der Ostermontag bis heute als eigentlicher Wallfahrtstag erhalten geblieben. Der hl. Celsus ist der beliebteste Heilige von Ellingen. Seine Volkstümlichkeit beruht wahrscheinlich darauf, dass sich jede Generation mit „unserem“ Heiligen auseinandergesetzt hat und so Initiativen entwickelt hat, die zur Belebung der Verehrung beigetragen haben. „In den Gedächtnisfeiern der Heiligen verkündet die Kirche das Pascha-Mysterium“, sie haben ja „mit Christus gelitten und sind mit ihm verherrlicht.“ (Liturgiekonstitution 104)

Hl. Celsus
(© Marc Urhausen)

Gerade dadurch, dass in unserer Zeit das tägliche Brot (Arbeitsplatz) und die Familien mit ihren täglichen Sorgen in Gefahr sind, hat sich der Heilige Celsus zu einem Familienheiligen entwickelt, der uns immer wieder Mut zum eigenen Weg und Leben macht. Die Gestalt unserer Zukunft hängt auch von unseren Entscheidungen ab. Alles, was wir tun oder lassen, hat zeitliche Folgen. Und so ist der hl. Celsus zum Vorbild geworden. Es ging ihm nicht um sich selbst, sondern um die Verkündigung des Evangeliums. Die Botschaft von dem auferstandenen Christus ist eine Heilsbotschaft, ja eine Nahrung für unsere Familien. „Geben ist nur möglich, wenn ich empfange. Aber auch empfangen ist nur möglich, wenn ich gebe.“

Der hl. Gangolph (13.5.) und der hl. Medardi (8.6.)

Diese Schutzpatrone der Pfarrei Ellingen sind in Vergessenheit geraten.

„Darbeneben unsere Festtag seindt folgende: Das Fest des hl. Lambertus, des Hauptpatrons, und des hl. Gangolph, ahn welchen Tagen unss vollkommener Ablaß verliehen ist von ihrer päpstlichen Heiligkeit undt von Ewerer Hochwurden Gnaden admittiert, wie dan auch den hl. Celsi zwey mahl undt dess hl. Medardi, ahn welchen Tagen allezeit Frembde ihr Gebett zu verrichten kommen undt ihr Opfer abzulegen undt dass Hoheampt der H. Meess ahnzuhören und dan in Vigilia Ascensionis (an der Vigil von Christi Himmelfahrt) kommen drey Pfahren mit ihren Processionen: Mundorff von drey Dörffer, Putling von 7 Dörffer undt dan die Mutterkirch selbst von 3 Dörffer nebendt Elling“, die abwechselnd die Predigt hielten. Dreimal; vor, während und nach dem Hochamt wurde der Segen mit dem Hochwürdigsten Gute erteilt.“

Heiligen - Verehrung in Ellingen

In unserer Zeit werden folgende Heiligen verehrt:
hl. Maria, Trösterin der Betrübten – Friedenskönigin, Schutzpatronin unseres Landes
hl. Joseph, Schutzpatron der Kirche
hl. Mutter Anna, Schutzpatronin der „Fraen a Mammen“
hl. Cäcilia, Schutzpatronin des Kirchenchores
hl. Theresia vu Lisieux, Schutzpatronin der Weltmission (Evangelisation)
hl. Tarzisius und hl. Don Bosco, Schutzpatrone der Messdiener
hl. Aloysius und hl. Nikolaus, Schutzpatrone der Kinder
hl. Willibrord, 2. Schutzpatron unseres Landes

„Ellingen selbst steht schon zwanzig Jahre nach dem Hinscheiden Willibrords auf dem Verzeichnis der Orte, in dem Echternach praktisch die Verantwortung für die wirtschaftliche Betreuung der Bevölkerung übernommen hatte.“

In der Liste der zur Springprozessionen verpflichteten 139 Pfarreien erwähnte Abt Berthels u.a. die Ortschaft Ellingen. Abt Bertels war Abt in Echternach von 1595 – 1607.

„Als, nach einem harten Winter Anfang 1709 die Lebensmittelversorgung weitgehend zum Erliegen kam, ließ Abt Zender aus den rechtzeitig angelegten Vorräten wöchentlich 3 Mal die Armen mit Brot versorgen.“

Fronleichnam – Härleichendag

Fronleichnam bedeutet eigentlich „der Leib des Herrn“. Dies ist also ein Fest zu Ehren des Eucharistiesakramentes und wird von der katholischen Kirche als hohes Fest jeweils am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. In Luxemburg wird dieses Hochfest der Eucharistie erst am darauf folgenden Sonntag gefeiert, weil dieser Donnerstag nicht gleichzeitig ein ziviler Feiertag ist.

Erstmals wurde Fronleichnam im Jahre 1246 auf Anregung der heiligen Juliana von Cornillon – Mont vorerst nur in der Diözese Lüttich gefeiert. Achtzehn Jahre später, 1264, erklärte Papst Urban IV. Fronleichnam zum hohen Fest für die gesamte katholische Kirche.

Das Festoffizium dieses kirchlichen Hochfestes wird mit großer Wahrscheinlichkeit dem heiligen Thomas von Aquin zugeschrieben.

Mit der Feier dieses Hochfestes war früher in Ellingen die feierliche Fronleichnamprozession verbunden. Im Anschluss an das sonntägliche Hochamt trug der Priester das Allerheiligste durch das Dorf. Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr von Ellingen trugen den „Himmel“, unter dem der Priester mit Monstranz und dem Allerheiligsten einher schritt, während der Kirchenchor Sakramentslieder sang.

Sinn dieser Prozession war die Darstellung des Wandels Jesu, der Herr ist zugegen unter uns in der Gestalt des täglichen Brotes. Dieses Abschreiten des Herrschaftsbereichs Jesu sollte an sein Kommen zu uns Menschen erinnern, um uns zu ihm in sein Haus heimzuholen.

Nach römischem Brauch gab es bei der Fronleichnamsprozession nur einen feierlichen Segen. Doch nach deutschem Brauch gab es vier Stationen, an denen der feierliche Segen gespendet wurde.

In der Regel fand in Ellingen an Fronleichnam bei den Hauskapellen Neu, Faber - Krier und Scholer jeweils ein Segen statt. In manchen Jahren gab es auch ein zusätzlicher Segen vor der Friedhofkapelle oder vor der Haustür des Pfarrhauses. Der feierliche Schlusssegen erfolgte immer in der Kirche.

Zeitweise wurde auch am Vorabend von Fronleichnam vor der Friedhofkapelle ein feierlicher Gottesdienst gefeiert, an dessen Anschluss dann die Sakramentsprozession zur Kirche zog. Der Segen wurde dann auf dem Friedhof und in der Kirche erteilt. Die allerkürzeste Form war natürlich ein Sakramentaler Schlusssegen nach der Messe.

Die Aufstellung der Prozession selbst erfolgte frührer nach festen Regeln. Die Mitglieder der Feuerwehr, die Messdiener mit dem Kreuz und mit Fahnen eröffneten die Prozession.
Die Muttergottesstatue trugen vier Mädchen des Dorfes, begleitet von vier Ersatzträgerinnen. In den letzten Jahren trugen die Messdienerinnen oder die jungen Müttern die Muttergottesstatue. In den achtziger Jahren kam der hl. Celsus zu großen Ehren. Die „Celsus - Statue“ (Rifesser – Statue) wurde von den jugendlichen Messdiener getragen.

Die „Engelchen“ in ihren langen weißen, hellblauen oder hellrosa Kleidern hielten Goldsträuße oder Rosen aus dem Garten in ihren Händen. Eine weiße Schlaufe schmückte das Haar. Manche trugen sogar goldene Kränzchen im Haar.

Dann folgten die Kommunionmädchen in weißen Kleidern. An einem weißen Seidenband, das um den Nacken geschlungen war, hing ein mit weißer Spitze eingekleidetes Körbchen, gefüllt mit Blumenköpfen oder Rosenblättern. Auf dem ganzen Prozessionsweg streuten die Mädchen Blumen vor das Allerheiligste. Dieser Vorgang wurde natürlich vorher gründlich eingeübt.

Die Aufgaben der „Engelchen“, der Kommunionskinder werden heute von der Messdienergruppe wahrgenommen.

Vor dem „Himmel“ ging das betende Volk: Frauen und Männer und eine Gruppe der Messdiener mit den liturgischen Geräten.

Gemessenen Schrittes kamen nun die Träger mit dem Himmel, unter dem der Pfarrer mit der Monstranz und dem Allerheiligsten einher schritt. Zu beiden Seiten des Himmels ließen die Messdiener kräftig ihre Schellen erklingen.

Einstimmig Sakramentslieder singend folgte hinter dem „Himmel“ der Kirchenchor, der frührer ausschließlich aus Männer bestand. Dem Kirchenchor folgte der Kirchenrat.

Das ganze Dorf wurde an diesem Sonntag festlich geschmückt. In der frühen Morgenstunde, sobald das Vieh auf den Weiden war, wurde der Prozessionsweg gefegt. Buchenzweige oder später gelb – weiße Fähnchen resp. rot – weiß – blaue Fähnchen wurden am Straßenrand aufgestellt.

Auch die Häuser entlang dem Weg der Prozession wurden besonders geschmückt. Die Hausherrin schmückte den Fenstersims mit dem „Prozessionstuch“, einem besonders feinen gestickten Tuch mit religiösen Motiven, stellte ein Kruzifix oder die Statue eines besonders verehrten Heiligen in die Mitte der Fensteröffnung. Kerzenleuchter und kunstvolle Blumensträuße zu beiden Seiten vervollständigten das Bild.

Manche Dorfbewohner stellten auch kleine Altärchen vor das Haus. Vor den Fenstern oder Altärchen legten die Bewohner sogar manchmal kunstvolle, dekorative Blumenteppiche aus.
Erst wenn die Prozession sich dem Haus näherte, zündete die Hausherrin die Kerzen an, die dann auch sofort wieder gelöscht wurden, um ja nur keinen Brand zu entfachen, wenn der Wind mit dem „Prozessionstuch“ spielte.

Maria Himmelfahrt und die Kräutersegnung

Nachgewiesen ist, dass schon im 5ten Jahrhundert die Himmelfahrt Maria in der katholischen Kirche verehrt und das Fest am 15. August gefeiert wurde. Aber erst am 1. November 1950 erhebt Papst Pius XII diese Glaubensüberzeugung, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, zum Dogma. Maria Himmelfahrt ist in Luxemburg sowohl ein kirchlicher als auch ein weltlicher Feiertag.

Für unsere Vorfahren war mit dem Fest von Maria Himmelfahrt auch der Höhepunkt des Jahres überschritten. Größtenteils waren zum 15. August die Getreidefelder abgeerntet und auch die anderen Feldfrüchte waren reif. Die Feldflur leerte sich, erste Nachnebel steigen auf, die langen Sommertage gingen zur Neige. Morgens hingen schwer die Spinnennetze des Altweibersommers an den Gartenzäunen und jeder wusste, dass mit „Léiwfrawöschdag“ der Wendetag des Sommers kam und somit zugleich das erste Entedankfest.

Die Kräuter und Feldfrüchte, die wir auch heute noch zum „Wösch“ gebunden an diesem Tag mit in die Kirche nehmen, sollen unseren Dank bekunden für alles Gewachsene auf dem Feld, im Garten und im Wald. Die gesegneten Kräuter und Feldfrüchte des Himmelfahrtstages sollen zudem Haus und Hof vor Hagel und Gewitter schützen.

Es war in altem Brauch, in die gesegneten Zwiebeln des Kräuterstrauches ein Kreuz zu schneiden und diese dann im Stall aufzuhängen, um so das Vieh vor Krankheit zu schützen. Der Kräuterstrauß selbst, natürlich ohne die Möhre, die die Kinder meistens schon auf dem Heimweg verzehrten, wurde unter dem Dachboden aufgehängt. Bei schweren Gewittern zündete frührer die Bäuerin nicht nur eine gesegnete Kerze an, sondern sie stieg zum Dachboden hoch, holte eine Handvoll gesegneter Kräuter aus dem „Wösch“ und warf diese ins Feuer, damit der Blitz Hof und Leute verschone.

Die gesegneten Getreideähren, Haferrispen und Heidekorn wurden zwischen den ausgerieben und die so gewonnenen Körner mischte der Bauer teils unter das Saatgut des nächsten Jahres, teils unter das Brotgetreide.

Mit Freude und Begeisterung sammelten die Kinder am Vortag von Maria Himmelfahrt die nach mündlicher Überlieferung vorgeschriebenen Kräuter und Feldfrüchte für den „Wösch“. Voraussetzung war, dass man die einzelnen Kräuter überhaupt kannte und deren Standort ausfindig machen konnte.

Aus dem Garten mussten die längste Möhre und die dickste Zwiebel her, sowie die schönste „Strauß“ vom stark duftenden Liebstöckel (Léiwstack). Auch Pfefferminze, Rainfarn und Dill kamen aus dem Garten. Für den „Wösch“ waren nur die herrlichsten Ähren von Gerste, Korn und Weizen, sowie die schönsten Haferrispen und das beste Heidekorn gut genug. Am Wegrand fanden die Kinder dann den Schachtelhalm (Katzeschwanz), das Johanniskraut (Haartnol), das rote Weidenröschen (Muttergotteshoer), den Dost (Jungfrabettstréi), die Kamille (Kaméile), den Odermennig (klengt Kinnekskräiz), das Ehrenpreis (Eierepreis), den Hornklee (Härgottsschengelcher), die Osterluzei (Ouschterlazei), den schwarzen Nachtschatten (Nuetsschied), die Samenähre des Breitwegrichs (Weeblaat), die Wegmalve (Bréidercherskraut), das echte Lungenkraut (Lungekréktchen), die Schafgarbe, den Beifuß (Beibës) und den Klatschmohn (Klatschblum). Die meisten dieser Kräuter waren wegen ihrer ätherischen Öle und wegen ihrer Heilkräfte bekannt.

Diesen ansehnlichen Strauß trug jedes Dorfkind am Himmelfahrtstag stolz in die Kirche, legte ihn vor den Altar, begutachtete aber auch gleichzeitig die Sträuße der anderen, um festzustellen, welcher nun dieses Jahr der schönste ist.

Manches von diesem schönen, aber auch äußerst lehrreichen, alten Brauch ist der Hektik des heutigen Alltags, dem Mangel an Zeit und den Problemen der Umwelt zum Opfer gefallen. Die Kräutersträuße wurden von Jahr zu Jahr dünner und die Vielfalt der Kräuter immer geringer. Ein Wunsch für die Zukunft wäre, doch diesen schönen, alten Brauch in Ellingen aufrecht zu erhalten.

 
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